Polizeihunde können bereits seit langem eine Vielzahl an Dingen erschnüffeln: Von Rauschgift über Leichen bis hin zu Sprengstoff – vor der feinen Nase des Hundes lässt sich fast nichts verstecken. Während der Ermittlungsarbeiten im Fall des Kindesmissbrauchs von Lügde standen aber ganz andere Objekte im Fokus: Datenträger. Nachdem die Beamten dort sämtliche Wohnwagen durchsucht hatten, ließen sie noch einmal einen sogenannten Datenspeicher-Spürhund aus Sachsen kommen. Dieser trug den Namen Artus und fand in der Ritze eines Sofas tatsächlich noch bis dahin nicht entdecke Disketten. Dieser Erfolg beeindruckte auch den Innenminister von Nordrhein-Westfalen Herbert Reul. Gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden des Landes entschied er daher, auch selbst Datenspeicher-Spürhunde auszubilden.


Foto: OlliFoolish [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons

Die Ausbildung ist für Mensch und Tier anspruchsvoll

Für den Hund ist dies allerdings eine vergleichsweise große Herausforderung. Denn im Gegensatz zu beispielsweise Marihuana ist der Eigengeruch von Datenträgern eher gering. Außerdem gibt es in einem klassischen Haushalt zahlreiche ähnliche Geräte, die aber keine Relevanz für die Polizei besitzen – etwa Festnetztelefone oder Fernbedienungen. Wonach die Spürnase des Hundes nun genau sucht, wird nicht öffentlich kommuniziert. Der Hintergrund: Verdächtige könnten ansonsten versuchen, die Datenträger so zu manipulieren, dass sie auch für die Hunde nicht mehr zu finden sind. Bekannt ist aber die Dauer der Ausbildung: Bereits im Dienst befindliche Spürhunde benötigen rund zwanzig Tage, um die neuen Fähigkeiten zu erlernen. Die Ausbildung erfolgt zudem immer im Team mit einem Hundeführer.

Datenspeicher-Spürhunde sind noch eine Rarität

Denn dieser muss lernen die Zeichen des Hundes zu deuten und diesen entsprechend zu führen. Außerdem ist der Hundeführer dafür zuständig, die Belohnung zu verteilen. Diese unterscheidet sich von Hund zu Hund. Einige bekommen Leckerlies, sobald der Datenträger aufgespürt wurde. Andere spielen lieber mit der Beißwurst. Insgesamt hat Nordrhein-Westfalen nun fünf Polizeihunde ausgebildet, die ab sofort eingesetzt werden können. Bundesweit ist die Zahl der Datenspeicher-Spürhunde aktuell noch vergleichsweise klein. Dies liegt auch daran, dass es für viele Länder schlicht günstiger ist, sich die Tiere im Zweifelsfall zu leihen als diese selbst auszubilden und zu halten. Die Ermittlungen werden aber natürlich beschleunigt, wenn man die Tiere nicht zunächst ausleihen muss.


Via: DLF

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