Für wen sind eigentlich Städte gemacht, für Autos oder für Menschen? Madrids breite Straßen dienten ursprünglich als Alleen und Flaniermeilen, sie boten jede Menge freien Raum und Begegnungsmöglichkeiten. Dann explodierte der Verkehr. Nun erklingt in der spanischen Hauptstadt der Startschuss für eine Umkehrbewegung.


Straße frei für Fußgänger und Fahrräder!

Die Gran Via führt als stark belebte Hauptstraße mitten durch Madrid, das Verkehrsaufkommen ist gewaltig. Die Marschrichtung der Stadtplaner führte bislang immer nur in eine Richtung, nämlich immer mehr Autos auf den Straßen unterzubringen: Parkplätze, Fahrspuren und riesige Kreuzungen nahmen die Fläche ein, die vor Jahrzehnten noch den Menschen frei zur Verfügung standen. Im letzten Dezember gab es mal wieder Smog-Alarm, etwa die Hälfte des Verkehrs musste stillgelegt werden. Vielleicht fand in dieser Zeit vor ein paar Wochen bei den Entscheidern ein wichtiger Umdenkprozess statt, denn jetzt soll die Gran Via endlich deutlich entlastet werden. Ziel ist es, nur noch Fußgänger, Fahrräder, Taxis und öffentliche Verkehrsmittel auf der zentralen Straße zuzulassen, im Gegenzug sollen Fahrspuren gestrichen und Bürgersteige deutlich verbreitert werden. Der Pendlerverkehr, der bislang hemmungslos die Stadt kreuzte, soll auf eine Ringstraße am Stadtrand ausweichen.


Trend zur lebenswerten Metropole ohne Verkehrschaos

Doch dies ist erst der Anfang: Der eigentliche Plan besteht darin, Madrid zu verändern, ein Stück weit »back to the roots«, als man noch ungestört in den Straßen flanieren konnte. Im Mittelpunkt soll nicht mehr die Frage stehen, wie die vielen Autos durch die Stadt zu lenken sind, sondern auf welche Weise der Verkehr so weit wie möglich reduziert werden kann. Die breiten, luftigen Chausseen gehören zu den wichtigen Kennzeichen dieser Stadt, die Gran Via ist also nur eine von vielen »Broadways«, die eines grundlegenden Wandels bedürfen. Bislang wurden nur ein paar kleinere Straßen in Fußgängerzonen umgewandelt, richtig große Chausseen blieben in der spanischen Hauptstadt unberührt – außer, als im Dezember 2016 neun Tage lang kein Auto mehr von außen in die Innenstadt einfahren durfte, um den Smog zu reduzieren. Überraschenderweise verzeichneten die Geschäfte im betroffenen Stadtbereich zu diesem Zeitpunkt mehr Verkäufe als üblich, vielleicht deshalb, weil der Einkaufsbummel im City Center einfach mehr Spaß machte. Wie wir bereits berichteten, strebt auch Paris eine deutliche Verkehrsentlastung an, der Trend geht also hin zur lebenswerten Metropole ohne Verkehrschaos.

Quelle: fastcoexist.com

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