Wer viel in Deutschland unterwegs und zudem ein Fan mobiler Nahverkehrstickets ist, der kennt das Problem: Jeder Verkehrsbetrieb verlangt nach einer eigenen App. Wer also regelmäßig den Nahverkehr in Dresden, Berlin und Hamburg nutzt, der braucht drei Apps auf dem Smartphone. Dazu kommt noch der DB Navigator für den Fernverkehr. In Zukunft soll sich das ändern: Bald soll es möglich sein, mit der App eines Verkehrsbetriebs durch ganz Deutschland zu fahren – und zwar im Nah- und Fernverkehr. Das soll nicht nur für die Kunden Vorteile bringen, sondern auch die Städte entlasten.


Ein Bahnsteig der Londoner U-Bahnstation Westminster.

Eine App für mehrere Ballungsorte

Der öffentliche Verkehrssektor spielt eine immer größere Rolle, und immer mehr Menschen nutzen den Bus und die Bahn, um zu pendeln. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs geht aber nur schleppend voran, und das App-Chaos der einzelnen Verkehrsbetriebe kommt erschwerend hinzu. Aber in Zukunft soll das anders werden. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen arbeitet bereits seit einiger Zeit daran, dass Fahrgäste in der App ihres örtlichen Verkehrsunternehmens Fahrkarten für Fahrten in ganz Deutschland erstehen können. Vom kommenden Jahr an etwa sollen Kunden des Rhein-Main-Verkehrsbundes (RMV) in der RMV-App etwa auch Karten für den Nahverkehr in Stuttgart kaufen. Für den Anfang sind neun Verkehrsbetriebe mit an Bord. Unter ihnen sind die Verkehrsbetriebe in Stuttgart, Frankfurt, München, Dortmund, Mannheim und Bochum. Auch die Deutsche Bahn ist beteiligt, sodass es später auch möglich sein soll, in den Apps der Verkehrsbetriebe Fernverkehrskarten zu kaufen. Inwieweit es dabei auch möglich sein wird, etwa nach Sparpreisen zu suchen, wird sich zeigen müssen.


Die Deutsche Bahn macht’s vor

Die Zahl der Fahrgäste, die in Deutschland mit Bus und Bahn unterwegs sind, war im vergangenen Jahr so hoch wie niemals zuvor. Aber dennoch muss auch der öffentliche Nahverkehr in Konkurrenzsituationen bestehen. Das geht nur, wenn massiv in die Infrastruktur investiert wird. Aber auch die Integration der einzelnen Verkehrsbetriebe kann helfen – denn wer nur noch eine App braucht, um im Nahverkehr unterwegs zu sein, egal wo in Deutschland er ist, der wird mehr dazu geneigt sein, auf Bus und Bahn statt auf andere Mobilitätsangebote zurückzugreifen.

Wie das funktionieren kann, macht die Deutsche Bahn übrigens bereits seit 2017 vor. Seitdem ist es nämlich möglich, in der DB Navigator App nicht nur Tickets für den Fernverkehr, sondern auch für insgesamt 10 teilnehmende Verkehrsverbünde kaufen. Allerdings lässt das Angebot noch Luft nach oben. So werden teilweise nur ausgewählte Tickets angeboten. Wer das ganze Angebot eines Verbundes nutzen will, der muss weiter auf die jeweilige App zurückgreifen. Auch lässt die Übersichtlichkeit teilweise zu wünschen übrig.

Wie erfolgreich die „Eine App für alles“-Lösung sein wird, wird sich auch maßgeblich daran entscheiden, wie gut die Auskunftssysteme der verschiedenen Verkehrsverbünde in die Fremdapps integriert werden.

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