Spätestens zum Tag der Heiligen Drei Könige wird in den meisten Haushalten der Weihnachtsbaum entsorgt. Bisher landet dieser dann in der Regel komplett in der Biogasanlage oder auf dem Kompost. Britische Forscher sehen diese Vorgehensweise allerdings als Verschwendung an. So verweisen sie darauf, dass der Mehrgewinn durch die Nadeln in den Biogasanlagen nur denkbar gering ist. Gleichzeitig bestehen diese aber zu 85 Prozent aus Lignocellulose – woraus wichtige Stoffe für die chemische Industrie gewonnen werden könnten. Die dazu notwendigen Verfahren sind bekannt und nicht besonders aufwändig. Allerdings wurden sie bisher noch nicht im großen Stil mit den Nadeln von Weihnachtsbäumen erprobt. Ein Fehler – meinen zumindest die britischen Forscher und wollen das Thema nun weiter vorantreiben.


Weihnachtsbaum

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Vom Mundwasser bis zum Klebstoff

Rein technisch lässt sich die Lignocellulose in einer Bioraffinerie mithilfe von Hitze und Lösungsmitteln in mehrere Einzelteile aufspalten. Auf diese Weise lassen sich etwa Phenole gewinnen, die dann wiederum bei Haushaltsreinigern und Mundspülungen Verwendung finden. Selbst in der Lebensmittelindustrie finden sich Anwendungsmöglichkeiten. So lassen sich auch Essigsäure und Zucker abspalten. Die beiden Stoffe kommen beispielsweise in Süßungsmitteln zum Einsatz. Ebenso bei Farben und Klebstoffen. Der Vorteil der Nutzung von Tannennadeln liegt auf der Hand: Die benötigten chemischen Grundstoffe werden auf natürliche Art und Weise gewonnen – was in der Regel umweltfreundlicher sein dürfte als die bisher genutzten künstlichen Verfahren. Außerdem sind die Kosten vergleichsweise niedrig, weil für die Nadeln keine andere sinnvolle Verwertung existiert.


Noch existieren keine industriell nutzbaren Prozesse

Allerdings ist noch unklar, wie die Verarbeitung der alten Weihnachtsbäume wirtschaftlich darstellbar realisiert werden kann. Denn klar ist: Mit dem Stamm und den Ästen kann die chemische Industrie nur wenig anfangen. Sie werden daher auch weiterhin in der Biogasanlage landen. Die Nadeln von den Ästen zu trennen, dürfte aber gar nicht so einfach sein. Sollte sich das Verfahren zur Aufspaltung der Lignocellulose allerdings als vielversprechend erweisen, dürften die Forscher auch für dieses Problem eine Lösung finden. Bisher allerdings handelt es sich noch um eine Idee in der Frühphase. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit sich die Verwertung der alten Weihnachtsbäume tatsächlich auf diese Weise optimieren lässt. An Nachschub dürfte es jedenfalls auch in den nächsten Jahren nicht mangeln.

Via: DLF Nova

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1 Kommentar

  1. werner

    12. Januar 2019 at 09:47

    „So lassen sich auch Essigsäure und Zucker abspalten. Die beiden Stoffe KOMMEN beispielsweise in Süßungsmitteln ZUM EINSATZ.“

    Essig in einem Süssungsmittel ??? Im Original klingt das ganz anders (und präziser):

    „Andere Substanzen, die aus Tannennadeln gewonnen werden können, sind laut Forschern noch Essigsäure und Zucker. Damit können zum Beispiel auch Süßungsmittel, Farbe oder Klebstoff GEMACHT WERDEN.“

    Aha, chemischer Grundstoff für die Synthese und kein direkter Bestandteil. Redaktionelle Freiheit in allen Ehren, aber nicht, wenn der Sinn entstellt wird.

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