Die zunehmende Verbreitung des Internets und die voranschreitende Globalisierung haben auch die Internationale Politik verändert. Früher war es ausgesprochen schwierig an Informationen über bestimmte Länder und Regionen zu gelangen. Vielen Diktatoren und Autokraten ist es so gelungen, nach außen hin eine Fassade der Ordnung aufrecht zu erhalten. Erst nach dem Sturz des Machthabers kamen dessen Verbrechen dann ans Licht der Weltöffentlichkeit. Selbst bei staatlichen Massenmorden und sogar Völkermorden  sorgte die spärliche Informationsflut für eine verspätete oder ausbleibende Reaktion der Weltgemeinschaft. Heute ist die Situation fundamental anders: Es gibt zu viele Informationen, Daten und Neuigkeiten.


Frühzeitige Warnung vor Massen- und Völkermorden

Diese alle zu kanalisieren und zu analysieren ist für einzelne Wissenschaftler in Echtzeit kaum möglich. Zumal die Situation vor Ort sich ja täglich ändert und immer weitere Entwicklungen produziert. Die Prognosefähigkeit der Experten für Internationale Politik ist – trotz der Vielzahl an verfügbaren Daten und Informationen – daher nicht merklich gestiegen. Dies zeigte sich nicht zuletzt während des „Arabischen Frühlings“. Diesen beinahe simultanen Sturz der Diktatoren hatte kaum jemand vorausgesehen. Ein gemeinsames Projekt des „U.S. Holocaust Memorial Museum“ und der „Dartmouth University“ möchte die vielen verfügbaren Daten nun online bündeln und so in der Lage sein, frühzeitig vor Massen- und Völkermorden zu warnen.


Analysiert werden sollen die Daten dann von einem interdisziplinären Expertenteam aus aller Welt. So hofft man auch lokale Expertise in die Prognose integrieren zu können. Denn das Problem weltweit erhobener Daten ist immer, dass diese in verschiedenen Kulturen zu verschiedenen Ergebnissen führen können. Letztlich soll mit einer Mischung aus computerbasierter Datenanalyse und menschlicher Expertise eine Gefährdungsprognose für jedes Land abgegeben werden. Der Clou dabei ist die Transparenz des Bewertungsprozesses. Sowohl die Rohdaten, als auch deren Aufarbeitung und Analyse, sowie die eingeflossene menschliche Expertise sollen für jeden nachvollziehbar sein. So sollen Fehler und Fehleinschätzungen durch die Intelligenz der Masse korrigiert werden.

Besonders gefährdete Regionen sind erkennbar

Blieb noch die Frage, wie man eine solche Prognose möglichst öffentlichkeitswirksam darstellt. Denn natürlich kann man nie exakt sagen, wo der nächste Völkermord stattfinden wird. Man kann aber besonders gefährdete Regionen benennen. Deshalb haben die Forscher eine interaktive Karte entwickelt, die für jedes Land eine der Gefahrenstufe entsprechende Farbe vergibt. Rot steht dabei für eine hohe Gefahr, dunkelblau für so gut wie keine. Konkretes Beispiel: Kanada ist dunkelblau gefärbt, während Pakistan dunkelorange leuchtet.

Mit Hilfe dieser Prognosen sollen potentielle Konfliktherde frühzeitig erkannt und präventiv bearbeitet werden. Denn bei der Verhinderung von Massenmorden und Kriegsverbrechen gilt dasselbe wie bei den meisten Krankheiten: Je früher die Gefahr erkannt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man das Schlimmste noch verhindern kann. Das vollständige Webprojekt, inklusive interaktiver Karte, soll zu Beginn nächsten Jahres veröffentlicht werden.

Quelle: Dartmouth

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