Der Onlinehandel unterliegt seit längerem stetigen Wachstum. Egal ob Elektrogeräte, Kleidung oder Nahrungsmittel: Nahezu alles kann man inzwischen im Internet kaufen. Dabei haben auch Onlinehändler erkannt, dass nachhaltiges, umweltfreundliches Einkaufsverhalten den Menschen immer wichtiger wird. Übermäßig viele Rücksendungen können dabei aber aus der Sicht von Umweltschützern zum Problem werden.


Rücksendungen verhageln dem Onlinehandel die Umweltbilanz

Der Einzelhandel hat traditionell einen recht hohen Energieverbrauch. Deutsche Einzelhändler sind daran gewöhnt, im Jahr etwa 60 bis 70 Euro pro Quadratmeter Ladenfläche für Wärme und Strom auszugeben – das ist etwa drei Mal so viel wie ein normaler Bürger. Was der hohe Energieverbrauch in Geschäften für den Einzelhandel ist, sind Rücksendungen für den Onlinehandel. Je höher die Rücksendequote ist, desto mehr belastet der Handel auch die Umwelt, so die Umweltschutzorganisation Greenpeace.


Zwischen Unternehmern und Umweltschützern herrscht Uneinigkeit bezüglich der Frage, welche Art des Einkaufens für die Umwelt belastender ist. Eine von dem Online-Versandhaus Otto in Auftrag gegebene Studie ergab, dass Online-Shopping trotz der zahlreichen Retouren unterm Strich weniger Umweltbelastungen verursacht als der Einzelhandel, vor allem dann, wenn man Transportwege mit dem Auto in die Rechnung mit einbezieht. Greenpeace dagegen ist der Ansicht, dass man das nicht pauschal bewerten könne, da viele Einkäufer für normale Einkäufe etwa zum Fahrrad statt zum Auto greifen. „Wenn ich womöglich nur für eine einzelne Besorgung mit dem eigenen Auto in die Stadt fahre, wäre es besser, online zu bestellen„, so Benjamin Stephan, seines Zeichens Verkehrsexperte bei Greenpeace.

Geringere Rücksendequoten schonen die Umwelt und sind für die Konzerne billiger

In jedem Fall lässt sich festhalten, dass Retouren im Onlinehandel einen großen Faktor in Sachen Umweltbelastung ausmachen. Was im Kleinen begann, erfordert inzwischen eigene Rücksendezentren, in denen im Sekundentakt Rücksendungen bearbeitet werden. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Rücksendungen aufgrund des Konkurrenzkampfes zwischen den Händlern bei vielen Shops kostenlos sind. Insbesondere bei Kleidung führt das zu einer hohen Rücksendequote. Nach Angaben von Hermes Fulfilment werden von zehn gekauften Kleidungsstücken vier wieder zurückgeschickt.

Um die Belastung für die Umwelt und nicht zuletzt natürlich auch die eigenen Kosten zu senken, hat der Versandhändler Otto bereits vor einiger Zeit einige Maßnahmen ergriffen. So gibt es etwa einen Hinweis an den Kunden, wenn dieser beim Online-Einkauf einen Artikel gleich in drei oder mehr Größen in den Warenkorb legt. Außerdem wendet Otto künstliche Intelligenz bei der Verschlagwortung von Produktangaben und Kundenbewertungen ein, um die Rücksendequote zu senken. Nach Angaben des Unternehmens haben die Maßnahmen dazu geführt, dass die Rücksendequote ein gutes Stück sank. Konkrete Angaben will das Unternehmen aber nicht machen.

Neben der Tatsache, dass niedrige Retourenquoten gut für die Umwelt sind, können Konzerne so auch bares Geld sparen. Ein zurückgesendeter Artikel kostet allein am Standort, also ohne die Transportkosten, bereits einen Euro.

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