Bei lebensgefährlich verletzten Personen gilt für die Rettungskräfte folgende Faustformel: Mit jeder Minute, in der noch keine medizinische Hilfe vor Ort ist, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Seit Jahrzehnten wird daher daran gearbeitet, bei Verkehrsunfällen so schnell wie möglich zu reagieren. Der neueste Baustein dieser Bemühungen: Das automatische Notrufsystem eCall. Die Technologie soll dafür sorgen, dass im Falle eines Unfalls die Rettungsstelle schnellstmöglich mit allen relevanten Daten versorgt wird. In ländlichen Gebieten soll sich dadurch die Zeit, bis der Notarzt eintrifft, um fünfzig Prozent verringern. Seit diesem Monat ist das System innerhalb der Europäischen Union bei allen neu zugelassenen Automodellen Pflicht. Bis aber tatsächlich alle Autofahrer davon profitieren, dürften noch einige Jahre vergehen.


Bei einem Unfall entsteht eine Verbindung zur Rettungsleitstelle

Das System ist so konzipiert, dass über Crash-Sensoren und die Steuerung der Airbags Unfälle selbstständig erkannt werden können. In einem solchen Fall wird dann automatisch eine Sprechverbindung zur Rettungsleitstelle eingerichtet. Dort sitzen die selben Personen, die auch unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112 erreicht werden können. Im besten Fall haben alle beteiligten Personen den Unfall unverletzt überstanden und der Fahrer kann dies den Mitarbeitern der Leitstelle über eCall mitteilen. Andernfalls kann direkt Hilfe angefordert werden. Die Besonderheit: Per Satellit übermittelt das System alle relevanten Daten – also etwa Standort und Fahrtrichtung – an den Rettungsdienst. Dadurch können die Einsatzwagen im Notfall deutlich schneller losgeschickt werden. Außerdem gilt: Antwortet in einem verunfallten Auto niemand, werden die Einsatzkräfte automatisch alarmiert.

In Deutschland ist im Schnitt nach zehn Minuten Hilfe vor Ort

Europaweit soll sich die Reaktionszeit der Rettungsdienste auf diese Weise um 40 bis 50 Prozent verringern. Schätzungen gehen davon aus, dass dadurch jährlich rund 1.500 Todesfälle im Straßenverkehr verhindert werden können. In Deutschland dürfte die Reaktionszeit allerdings eher nicht so stark sinken. Denn schon heute liegt der bundesweite Durchschnitt, bis ein Rettungswagen vor Ort ist, bei lediglich knapp zehn Minuten. In anderen europäischen Ländern beträgt die sogenannte Hilfsfrist hingegen teilweise bis zu zwanzig Minuten. Dort ist also auch das Verbesserungspotential deutlich höher. Grundsätzlich gilt aber: Je früher die Einsatzkräfte alarmiert und vor Ort sind, desto besser für die am Unfall beteiligten Personen. Der ADAC begrüßt daher die Einführung des Systems und betont, dass dafür nur die unbedingt benötigten Daten erfasst und versendet werden.


Via: Forbes

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1 Kommentar

  1. Thoms frank

    12. April 2018 at 16:58

    Bei einigen Modellen wird erst der Hersteller angefunkt, dann erst die Rettungsleitstelle! Und, das e-call System sendet immer Daten, nicht nur im Notfall. Bald werden Versicherungen darauf zugreifen wollen, bzw. tun es jetzt schon.

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