Für die Astronauten an Bord der ISS war es zunächst eine kleine Schrecksekunde: Am Mittwoch vergangener Woche schlugen die Messgeräte an Bord Alarm, weil Luft aus der Station ins Weltall strömte. Auf lange Sicht wäre dies problematisch geworden, weil die Besatzung die Luft zum atmen benötigt. Die Mannschaft rund um den deutschen Alexander Gerst hatte die Situation aber schnell unter Kontrolle und fand ein rund zwei Millimeter großes Loch in der Außenwand, das mit einem klebstoffgetränkten Spezialtuch versiegelt wurde. Unmittelbar danach begann die Suche nach der Ursache für das Leck. Zunächst wurde der Einschlag eines Mikrometeoriten vermutet. Inzwischen gilt aber eine andere Theorie als wahrscheinlicher: Demnach kam die betroffene Sojus-Kapsel bereits beschädigt auf der ISS an.


Das Loch entstand auf der Erde und wurde provisorisch gestopft

Wie russische Medien berichten, wird aktuell vermutet, dass ein Arbeiter beim Bau der Sojus-Kapsel schlicht mit der Bohrmaschine abgerutscht ist. Entsprechende Spuren neben dem Leck deuten jedenfalls darauf hin. Dieser Vorfall wurde aber nicht den russischen Raumfahrtbehörden gemeldet. Stattdessen wurde das kleine Loch mit Kleber verschlossen, sodass bei den abschließenden Tests zunächst alles nach Plan verlief. Nach rund zwei Monaten im Weltraum zog sich der Kleber allerdings zusammen und rutschte aus dem winzigen Loch. Unmittelbar danach begannen die Messgeräte vor dem Luftaustritt zu warnen. Tatsächlich dürfte die Situation den Astronauten an Bord bekannt vorgekommen sein. Denn genau solche Szenarien werden vor dem Start im Rahmen von Notfallübungen immer wieder trainiert. Auch deshalb verlief die Reparatur des Lecks koordiniert und ohne Hektik.


Der Rücktransport der Astronauten soll nicht gefährdet sein

Die betroffene Sojus-Kapsel ist aktuell an die internationale Raumstation angedockt, weil die Besatzung damit nach ihrem Einsatz wieder auf die Erde zurückkehren soll. Die Raumfahrtagenturen in Russland und den Vereinigten Staaten gehen momentan davon aus, dass dies auch problemlos möglich sein wird. Denn das Leck befindet sich in dem Teil der Kapsel, der ohnehin in den oberen Schichten der Erdatmosphäre abgesprengt wird. Trotzdem war die russische Raumfahrtagentur über den Vorfall alles andere als amüsiert. Medienberichten zufolge wurden die für den Vorfall verantwortlichen Personen bereits identifiziert und bestraft. Der Vorfall erinnert zudem auch an eine andere Problematik: Die NASA besitzt aktuell keine eigenen Möglichkeiten, Astronauten zur ISS zu bringen.

Via: Houston Chronicle

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