Die niederländische Organisation “Plastic Whale” unterhält in Amsterdam eine Flotte von Booten, mit denen sie die Kanäle der Stadt, die sogenannten Grachten, von Plastikmüll befreit. Die Plastikfischer von Amsterdam haben inzwischen einiges an medialer Aufmerksamkeit bekommen. Eines ihrer Boote betreiben sie nun in Zusammenarbeit mit der Firma Ecover. Das belgische Unternehmen stellt aus dem eingesammelten Müll Plastikflaschen für die hauseigenen Spülmittel her.


Ecover
Ecover transparente Flaschen aus Müll

Plastikrecycling: Eine Wissenschaft für sich

So einfach wie man es sich vorstellt ist das Recyceln von Kunststoffen gar nicht. Denn nicht jeder existierende Kunststoff eignet sich für die Wiederverwertung. Und schlimmer noch: Ein kleiner Anteil nicht wiederverwertbaren Kunststoffs kann das eingesammelte Material bzw. das Ergebnis des Recyclings komplett unbrauchbar machen.

Die Menschen werfen Unmengen an Plastikmüll ins Meer. Millionen und Abermillionen von kleinen Plastikteilen schwimmen weltweit auf dem Wasser. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch eine Gefahr für das Leben im Meer sowie für Seevögel. Deshalb gibt es verschiedene Projekte, um die Meere von dem Plastikmüll zu befreien. Viel Aufmerksamkeit bekam beispielsweise das Projekt Ocean Clean Up von Boyan Slat, das ab 2016 die Meere bereinigen soll. Die Gruppierung “Plastic Whale” wiederum fühlt sich zuständig für den Müll, der durch die Grachten Amsterdams treibt.


Eines der Boote wird nun von der Firma Ecover gesponsort. Das Unternehmen stellt aus dem gesammelten Plastik Flaschen für sein Spülmittel her. Da das Recycling von Plastik jedoch wie erwähnt ein kompliziertes Geschäft ist, kann bei weitem nicht alles verwertet werden. “Ein großer Teil des Plastiks, das wir finden, ist nicht recycelbar„, so Tom Domen von Ecover. Die Vermischung vieler Plastikarten führe dazu, dass die Flaschen von Ecover eher unscheinbar sind – gräulich oder trüb. Plastic Whale sammelte jedoch viel transparentes Plastik für die Belgier, sodass Ecover eine Sonderedition mit durchsichtigen Flaschen rausbringen konnte. Diese besteht aus 70.000 Flaschen, von denen jede zu mindestens 10 Prozent aus Müll aus Amsterdam besteht. Der geringe Anteil erklärt sich dadurch, dass das Plastik in den Grachten direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist und so instabil und brüchig wird.

Spülmittel per Nachfüll-System

Doch mit den Flaschen aus Müll ist es nicht getan. Ecover will den Plastikmüll weiter reduzieren. Denn es besteht schließlich die Gefahr, dass auch die Ecover-Flaschen letztlich im Meer landen. Deshalb möchte das Unternehme auf ein Nachfüllsystem setzen, bei dem die Kunden ihre leeren Ecover-Flaschen aus einem großen Behälter im Supermarkt nachfüllen können.

Kompostierbares Plastik: Man ist noch nicht so weit

Von Plastik, dass erdölfrei hergestellt wurde und sich auf natürliche Art und Weise zersetzt, hält Dornen erstaunlich wenig: “Wir forschen daran, aber es braucht bislang eine bestimmte Temperatur und Feuchtigkeit, um zu kompostieren, die wir hier gar nicht haben. Und wenn das kompostierbare Plastik mit recycelt wird, ist das entstandene neue Plastik unbrauchbar.” Für sinnvoll erachtet er dagegen internationale Standards bei der Plastikherstellung, die ein einfaches Recyceln gewährleisten.

In ein paar Jahren dürften mehr als 250 Millionen Kubiktonnen Plastik auf den Weltmeeren schwimmen. Auch Organisationen wie das Ocean Clean Up Projekt oder auch Plastic Whale können für sich genommen nicht viel ausrichten. Vielmehr handelt es sich um ein Problem, das auch auf internationaler Ebene angegangen werden müsste.

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