Ein Forschungsabenteuer, das vor mehr als 120 Jahren der norwegische Polarforscher Friedtjof Nansen unbeschadet überstand, wollen seine wissenschaftlichen Urenkel jetzt wiederholen. In gut zwei Jahren wird das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“ in See stechen. Ziel ist die Arktis. Dort wird es im beginnenden Winter einfrieren, sodass es sich aus eigener Kraft nicht mehr bewegen kann. Es driftet vielmehr mit dem Eis quer durch die Arktis.Weil die „Polarstern“ als Eisbrecher konzipiert ist, ist sie so stark gepanzert, dass sie vom Eis nicht zerdrückt wird.


Eisige Forschung zum Klimawandel

Nansen kam erst nach drei Jahren wieder frei. Die „Polarstern“ soll sich schon nach knapp einem Jahr vom Eise befreien. Das Forscherteam unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar -und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven will das arktische Klima während des Drifts durch die Arktis so umfassend wie nie zuvor untersuchen. Bisher sind nur die sommerlichen Klimadaten in der Region erfasst. Sind sie im Jahr 2020 komplettiert, können sie das Verständnis der hochkomplexen Klimaprozesse auf dem gesamten Globus entscheidend verbessern. „Von diesen Daten erhoffen wir uns grundlegende neue Erkenntnisse über den globalen Klimawandel“, sagt Markus Rex vom AWI. Er stellte das Projekt auf der amerikanischen Wissenschaftskonferenz AAAS in Boston erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor.


Netz von Messstationen auf dem Eis

60 Millionen Euro wird die Mission kosten, die von einem Dutzend Geldgebern in aller Welt aufgebracht werden. Das Geld sei gut angelegt, beteuert Rex. Es werde einen „Quantensprung in der Klimaforschung“ ermöglichen. Es geht um das komplexe Zusammenspiel von Ozean, Eis, Atmosphäre und Ökosystem. Im Umkreis von 50 Kilometern rund um das Schiff baut das Team auf dem Eis ein ganzes Netz von Messstationen auf, in denen kleine Forscherteams Dienst tun.

Welche Route die gigantische Eisscholle mit der eingefrorenen „Polarstern“ nehmen wird ist dem Zufall überlassen. Die Forscher vermuten, dass sie im Sommer zwischen Spitzbergen und Grönland aus dem Eis herauskommen. Das Schiff könnte aber auch Richtung Nordgrönland driften.„Dort käme es allein nicht wieder raus“, sagt Rex.

Fünf bis sechs Teamwechsel sind vorgesehen

Die Besatzung der „Polarstern“ und der Messstationen auf dem Eis soll fünf- bis sechsmal ausgewechselt werden. Den Personal- und Materialtransport übernehmen russische Langstreckenhelikopter. Auch das Forschungsschiff hat Bedarf. Es verbraucht für Heizung und Strom täglich 15 Tonnen Treibstoff.

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