Sonja Kessler ist Polizistin und Imkerin: Vor diesem Hintergrund erscheint ihr Gedanke, Bienen als »Spürhunde« einzusetzen, sogar ziemlich naheliegend. Die Insekten besitzen unleugbar einen sehr feinen Geruchssinn, sie könnten theoretisch Drogen oder Sprengmittel aufspüren, ebenso wie ein Hund. Aber wie richtet man Bienen ab? Und ist ihre Lebensspanne nicht viel zu kurz?


Von Bgelo777Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Sonja Kessler erhielt für ihre Arbeit einen Sonderpreis

Die 22-Jährige beschäftigte sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit »Spürbienen – eine Revolution für die Polizeiarbeit?« mit allen Details dieser interessanten Thematik. Und das natürlich nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch, weil das Bienenvolk schließlich direkt in Griffweite war. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen sind verblüffend: Fixiert man einzelne Bienen mit einem Röhrchen und lässt sie gewisse Substanzen riechen, während sie an einer Zuckerlösung schlecken, prägen sie sich den begleitenden Geruch ein. Und, wieder in die Freiheit entlassen, finden sie ihn ganz gezielt wieder. Die Ausbildung einer Biene dauert nur kurze Zeit, während die Spürhundeausbildung sehr viel mehr Arbeit, Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Der Europäische Polizeikongress war über die Kesslers Bachelorarbeit derart begeistert, dass sie dafür einen Sonderpreis vergab.

Die Überwachung funktioniert mit Puder und Laserlicht

Die Konditionierung müsste allerdings bei ganzen Massen von Bienen erfolgen, die dann aber, im Gegensatz zum Spürhund, rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Bis zu zwei Tage kann ein Bieneneinsatz dauern, ohne dass bestimmte Bezugspersonen vor Ort sein müssen. Die Polizisten bestreuen die Spürbienen mit einem fluoreszierenden Pulver und senden sie los. Eine Spezialdrohne behält die Insekten im Auge und erfasst sie per Lastrahl. Dort, wo sich mehrere Bienen ansammeln, werden die Gesetzeshüter mit großer Gewissheit fündig. In Kroatien gab es schon vor einiger Zeit einen Versuch mit Sprengstoff, dort fanden Bienen nicht nur die bewusst positionierten Substanzen, sondern auch Bombenreste aus dem letzten Krieg.


Zur kalten Jahreszeit muss wieder Bello ausrücken

Im Sommer leben einzelne Bienen etwa vier bis fünf Wochen, doch Kessler hält eine Idee bereit, wie man sie innerhalb weniger Minuten konditioniert. So ließe sich der Aufwand wieder ins richtige Verhältnis zur Nutzungsdauer setzen. Doch spätestens zur kalten Jahreszeit muss dann wieder Bello ausrücken! Die Saison- und Wetterabhängigkeit bildet einen großen Haken an dieser Idee, ebenso wie die ungeklärten rechtlichen Fragen. Ob Bienen als Beweismittel vor Gericht gelten, lässt sich derzeit nicht sagen. Wir warten mal ab, was sich aus der Spürbienenidee entwickelt und bleiben am Ball.

Quellen: ruhr24.de, mdr.de

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