Mitte September rollt über ein sechs Kilometer langes Teilstück des Schienennetzes die ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH die weltweit erste autonom fahrende Straßenbahn, mehr noch: Sie wird im realen Verkehr unterwegs sein. Sicherheitshalber ist allerdings ein Fahrer an Bord, der jedoch nur eingreift, wenn das komplexe Steuerungssystem versagt oder eine falsche Entscheidung trifft.


Das will Siemens Mobility, das eine ViP-Bahn des Typs Combino umfassend umgerüstet hat, natürlich verhindern. Aus diesem Grund ist das Fahrzeug mit mehreren Lidar-, Radar- und Kamerasensoren ausgestattet. Lidar ist ein radarbasiertes Messsystem, das Geschwindigkeiten und Abstände erfasst. Damit ist es beispielsweise möglich, drohende Kollisionskurse zu ermitteln.


Algorithmen bewerten und interpretieren die Daten

Diese digitalen „Augen“ zeichnen ein umfassendes Bild der Umgebung, das von eigens entwickelten Algorithmen ausgewertet wird, also Rechenvorschriften. Diese interpretieren und bewerten die Daten und passen auf den Ergebnissen, die in sehr schneller Folge aktualisiert werden, die Fahrweise der Bahn an. Außerdem errechnen sie eine Prognose für die nächsten Fahrmeter. Bewegt sich beispielsweise ein Fußgänger in Richtung Schienen heißt das für den Bordcomputer: „Achtung, wenn er so weiterläuft kollidiert er mit der Bahn“. Der Bordcomputer schaltet dann auf Bremsbereitschaft. 

Die Kameras an Bord erfassen die eigens für Straßenbahnen und Busse installierten Lichtzeichen und die Haltestellenmarkierungen, an denen sie zentimetergenau stoppt. Erst wenn die Außenkameras anzeigen, dass niemand mehr in einer der Türen klemmt und keiner mehr Anstalten macht, an Bord zu gelangen, schließt der Bordcomputer die Türen. Die Bahn fährt los.

Eine Komponente ist schon serienreif

„Unsere autonome Tram kann bereits in diesem Entwicklungsstadium die wesentlichen Fahraufgaben im realen Straßenverkehr meistern“, sagt Sabrina Soussan, Entwicklungschefin bei Siemens Mobility. Eine Komponente ist bereits serienreif, der Siemens Tram Assistent, der Kollisionen vermeiden soll. Er besteht aus Sensoren, die auch in Autos eingesetzt werden. Das System warnt den Fahrer, wenn irgendein Verkehrsteilnehmer auf Kollisionskurs geht. Der Tram Assistent wird in Bahnen des Typs Avenio M bereits in Ulm im Alltagsbetrieb genutzt.

Anders als bei fahrerlosen U-Bahnen, von denen es weltweit schon Dutzende gibt, die in geschlossenen Systeme fahren und lediglich an Haltestellen Kontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern haben, müssen autonome Straßenbahnen ständig auf das Umfeld reagieren. Daher ist die Steuerung erheblich komplexer.

 

via Siemens

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