Eigentlich ist die Wettervorhersage kein besonderes einzigartiges Produkt. Immerhin werden die tagesaktuellen Prognosen jeden Abend direkt nach der Tagesschau gesendet. Je detaillierter die Vorhersage allerdings sein soll und je weiter sie in die Zukunft reichen muss, desto schwieriger wird die Sache. Inzwischen hat sich eine ganze Reihe von Firmen darauf spezialisiert, besondere Wettervorhersagen zu erstellen und zu vermarkten. Dass es sich dabei keineswegs um eine etwas nerdige Nischentätigkeit handelt, zeigt die Tatsache, dass IBM schon im Jahr 2016 die Spezialfirma „The Weather Company“ aufkaufte. Branchenexperten gehen davon aus, dass die privaten Wetterprognosen zukünftig alleine auf dem US-Markt 30 Milliarden Euro pro Jahr einbringen werden. Doch wer zahlt eigentlich für diese Spezialprognosen? Es sind vor allem drei Branchen, die das Wachstum treiben:


1. Versicherungen managen das Risiko

Dass Versicherungen auf eine möglichst genaue Wettervorhersage angewiesen sind, liegt auf der Hand. Wer beispielsweise Sturmschäden versichert, sollte ungefähr wissen, wo diese wie oft auftreten und wie stark sie dann jeweils sind. Nur so kann eine Versicherungsprämie kalkuliert werden, die auf lange Sicht für Gewinne sorgt. Der Nutzen der Prognosen geht aber noch darüber hinaus. Denn Versicherer verteilen ihr Risiko auch gerne auf mehrere Schultern. Dies geschieht etwa durch die Ausgabe von Katastrophen-Anleihen. Diese müssen nur verzinst werden, wenn bestimmte Ereignisse – etwa Hurrikan-Schäden – nicht eintreten. Wie hoch diese Verzinsung ausfällt, hängt wiederum nicht zuletzt von den Wetterprognosen ab.


2. Die Energieversorgung hängt vom Wetter ab

Bei vielen Erneuerbaren Energien ist die Abhängigkeit vom Wetter klar: Ohne Sonne gibt es keinen Solarstrom. Ohne Wind keine Windkraft. Und in Zeiten der Dürre können auch Wasserkraftwerke an Leistung einbüßen. Aber auch die Versorgung mit fossilen Energieträgern kann durch das Wetter beeinflusst werden. Zieht beispielsweise im Golf von Mexiko ein Hurrikan auf, müssen die dort aktiven Bohrplattformen evakuiert werden. Dadurch sinkt die Ölproduktion so signifikant, dass in der Regel die Ölpreise steigen. Bei Erdgas wiederum beeinflusst das Wetter die Nachfrageseite: Je kälter es im Winter ist, desto mehr Gas wird verheizt, was ebenso für steigende Preise sorgt. Den umgekehrten Effekt gibt es aber auch: In einem milden Winter sinken die Preise normalerweise.

3. Die Landwirtschaft braucht Regen und Sonne

Landwirte sind naturgemäß besonders stark auf möglichst exakte Wetterprognosen angewiesen. Denn so können sie die Erträge ihrer Felder optimieren. Doch die Auswirkungen gehen weit darüber hinaus. Denn wer genaue Wetterdaten besitzt, kann auch die ungefähre Erntemenge voraussagen. Zu wenig Regen in Westafrika sorgte im vergangenen Jahr etwa dafür, dass die Kakaoernte geringer ausfiel als erwartet, sodass die Preise stark anstiegen. Schokoladenhersteller mit Blick in die Zukunft des Wetters konnten sich dagegen rechtzeitig absichern. Andere mussten die stark steigenden Kosten aus ihrer Marge finanzieren. Hinzu kommen die Transportkosten. Je genauer sich die Erntemenge voraussagen lässt, desto früher können günstige Transportkapazitäten eingekauft werden.

Via: Wiwo

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