Auf den ersten Blick scheint es sich um ein etwas ungewöhnliches Bauprojekt zu handeln: Auf einer ehemaligen Brachfläche mitten in Berlin wurden fünf große Schiffscontainer aufgestellt. Ergänzt wird dieses Ensemble durch eine Reihe von Dixie Klos. Tatsächlich sind dies die Vorboten eines groß angelegten Modellversuchs: Hier wollen die fünf größten deutschen Paketzusteller – DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS – die dauerhafte Zustellung von Paketen mit dem Lastenfahrrad erproben. Am Morgen liefern daher große Lastwagen die verschiedenen Pakete in die einzelnen Schiffscontainer. Von dort werden sie dann von den Fahrradboten entnommen und zu den aufgedruckten Adressen gebracht. Pure Muskelkraft kommt aber nicht zum Einsatz – die Räder besitzen jeweils noch einen Elektromotor zur Unterstützung.


Foto: UPS

Mikrodepots in der Innenstadt bilden das zentrale Element

Hintergrund des Projekts ist die Tatsache, dass alle Paketzusteller in engen Innenstädten unter den selben Problemen leiden: Es gibt kaum legale Parkmöglichkeiten, stattdessen viel zäh fließenden Verkehr und es drohen teilweise sogar Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Das Fahhrad kann hier eine interessante Alternative darstellen. Die gilt allerdings nur, wenn sich auch ausreichend Adressaten innerhalb des Lieferumkreises von zwei bis drei Kilometern befinden. Große Depots am Stadtrand sind daher als Ausgangsbasis ungeeignet. Stattdessen muss die Ware in zentral gelegenen sogenannten Mikrodepots umgeschlagen werden. Im Fall von Berlin ließ sich dies einfach realisieren: Das Land Berlin stellte das Grundstück zur Verfügung. Außerdem wird das Projekt mit 400.000 Euro aus dem Etat des Bundesumweltministeriums unterstützt. Dafür kam dann auch Umweltministerin Svenja Schulze persönlich zur Eröffnung des gemeinsamen Depots.

UPS setzt bereits in einigen Metropolen auf Lastenräder

Nach einem Jahr wollen die beteiligten Unternehmen dann eine Bilanz ziehen. Die Ziele des Projekts sind jedenfalls recht ambitioniert: Die Planer gehen davon aus, dass per Rad genauso viele Pakete zugestellt werden können wie zuvor mit den Lastwagen. Im Idealfall könnten die in Berlin gesammelten Erfahrungen dann auch genutzt werden, um ähnliche Ansätze auch in anderen Metropolen zu verwirklichen – um so auch dort einen Beitrag zur Entspannung des innerstädtischen Verkehrs zu leisten. Vollkommen neu ist die Idee der Lastenräder allerdings nicht. So setzt UPS beispielsweise bereits seit einiger Zeit spezialisierte Fahrradboten ein – etwa in Portland und in London. Die Stadt Oslo wiederum will grundsätzlich mehr Transporte auf das Lastenfahrrad verlagern – und fördert daher die Anschaffung mit bis zu 1.200 Euro.


Via: Bundesumweltministerium

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