Globalisierung, Kapitalismus und fortschreitende Privatisierung haben der englischen Stadt Preston sichtlich zugesetzt. Das vorhandene Kapital floss zunehmend ins reiche London und in Richtung Großkonzerne ab, die Finanzkrise 2008 fühlte sich beinahe an wie der Todesstoß. Doch dann wechselten die Stadtväter die Schiene.


Öffentliche Aufträge nicht mehr nach Billig-Kriterium vergeben

In Großbritannien liebt man die Privatisierung, sogar Gefängnisse und Verwaltungen landen zunehmend in der Hand großer Unternehmen. Lokales und soziales Wirtschaften geraten dabei zunehmend unter die Räder, Preston erlebte einen echten Absturz. Dann wurde der Stadtrat sich bewusst darüber, wie viel die Stadt zu bieten hat und wandte sich von den Großkonzernen ab, die er früher noch heiß umwarb. Stattdessen nimmt man in Preston nun die lokalen Anbieter ins Visier. Öffentliche Aufträge werden nun nicht mehr nach dem Billig-Kriterium vergeben, sondern die Verantwortlichen überlegen sich sorgsam, was der Stadt und ihrer Umgebung am meisten nutzt.


7 Anker-Institutionen investieren in die Region

Die sieben sogenannten Anker-Institutionen wie zum Beispiel der Pensionsfonds, das Krankenhaus, die Universität und die Polizei verfügen immerhin über 850 Millionen Pfund pro Jahr, die sie nun nach sozialen und nicht mehr streng kapitalistischen Gesichtspunkten ausgeben. Dieser Schwank macht sich auch in nackten Zahlen bemerkbar: Heute geben die genannten Einrichtungen doppelt so viel Geld direkt in der Grafschaft Lancaster aus als noch vor sechs Jahren. Jüngst wurde Preston zur wichtigsten aufstrebendsten Stadt Großbritanniens gewählt, die Bezeichnung »Prestoner Modell« avancierte längst zum Fachwort.

»Insourcing« statt weiteres Outsourcing

»Insourcing« statt Outsourcing, dieses Konzept macht sich auch an Prestons öffentlichen Orten bemerkbar. In den beiden Markthallen, die durch lokale Unternehmen liebevoll saniert wurden, lädt keine der großen bekannten Kaffee-Ketten zum Innehalten und Genießen ein. Stattdessen gibt es sechs verschiedene Stände mit regionalen Kleinanbietern, die für ganz viel Vielfalt und Entspannung sorgen. Nun haben die Stadtväter noch beschlossen, die lokale Lebensmittelversorgung anzukurbeln und nicht mehr dabei zuzusehen, wie 70 % des vor Ort angebauten Gemüses in alle Welt verschickt werden. Außerdem soll ein Geldinstitut nach Vorbild der deutschen Sparkassen entstehen, das auf die Förderung der örtlichen Wirtschaft ausgerichtet ist.

In Preston wird also an vielen Rädchen gedreht, man kommt immer wieder auf neue Ideen. Vielleicht ist es auch für andere Städte an der Zeit, endlich nicht mehr mit dem Globalisierungs- und Kapitalismusstrom zu schwimmen!

Quelle: deutschlandfunkkultur.de

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