Die russische Regierung soll eine Agentur bezahlt haben, die im Internet Propaganda-Arbeit leistet und Meinungen sowie Kommentare im Netz verbreitet. Auf diesem Weg werden Putin und der Kreml in ein positives Licht gerückt.


Die 34-jährige Russin Ljudmilla Sawtschuk arbeitete laut einem Zeitungsbericht im Auftrag des Präsidenten Wladimir Putin. Als Cyber-Aktivistin war Sawtschuk im Netz für eine Agentur in St. Petersburg tätig und erstellte hier in diversen sozialen Netzwerken unzählige Profile real nicht existierender Personen. Mithilfe dieser Profile wurden dann Pro-Russland-Meinungen sowie Kommentare verbreitet. Negativ stellte Sawtschuk hier die Ukraine und den Westen dar. Eigenen Angaben zufolge erstellte die Russin jeden Tag bis zu hundert Kommentare und Artikel in Blogs.


Mehrere Medien bestätigen Existenz der Agentur

Mit umgerechnet rund 750 Euro verdiente Sawtschuk für russische Verhältnisse sehr gut an ihrer Arbeit. Dafür wurde die Arbeiterin stets massiv mit Kameras überwacht und in ihrem Büro abgeschottet. Laut Sawtschuk sei die Rotation in der Agentur immens hoch gewesen, da nicht jeder Mitarbeiter dazu in der Lage war, die Kommentare und Artikel in der gewünschten Form und Menge zu erstellen.

Die oppositionelle Zeitung Nowaja Gaseta berichtete im Jahr 2013 bereits von der Agentur und den Arbeiten, die hier vollbracht werden. Dazu wurden Mitarbeiter undercover eingeschleust, die feststellten, dass 400 Menschen in der Agentur tätig waren. Gesucht werden neue Leute mit Anzeigen, wobei öffentlich Redakteure sowie Content Manager gesucht werden. Erst im Bewerbungsgespräch stellt sich dann die eigentliche Aufgabe der Bewerber heraus.

Folgen dieser Propaganda-Maßnahme

Die Troll-Profile, die die Mitarbeiter der Agentur erstellen, haben einen massiven Einfluss auf die Kommentarstruktur im russischen Web. Viele Zeitungen mussten den Kommentarbereich abstellen oder stark einschränken. Außerdem forderten die Trolle der Agentur auch eigenständig auf, dass Kommentare zu einzelnen Artikeln nicht abgegeben werden sollten. Unter dem Druck der Vielzahl der vermeintlich realen Profile stimmten einige Medien daraufhin der Forderung zu. Sehr rau ist auch die Stimmung in regierungskritischen Blogs und Foren. Hier sorgten die Trolle bereits für massive Störungen der Diskussionen im Internet.

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