Die Region Archangelsk liegt im Norden Russlands rund 1.000 Kilometer von der Hauptstadt Moskau entfernt. Die Einwohner dort sind aktuell allerdings alles andere als gut auf die Politiker des Landes zu sprechen. Denn aktuellen Planungen zufolge sollen ab dem nächsten Jahr jährlich 500.000 Tonnen Müll aus Moskau in die Region gebracht werden. Aus ökologischer Sicht ist dies nicht besonders sinnvoll. Denn auch in Archangelsk gibt es keine geeigneten Anlagen zur Weiterverarbeitung des Abfalls. Er wird also auch hier schlicht auf der Müllkippe landen. Für die Politiker in Moskau hat diese Vorgehensweise aber den Vorteil, dass die Probleme gewissermaßen aus dem Blickfeld verschwinden. Auf Dauer kann dies aber natürlich keine Lösung sein.


Recycling Water Bottles, MrTinDC, Flickr, CC BY-SA 2.0

In 5 Jahren sollen 60 Prozent der Abfälle sortiert werden

Dies scheint man inzwischen auch in der russischen Staatsführung verstanden zu haben. Präsident Putin persönlich beklagte vor einiger Zeit, dass sich zu wenige Firmen mit der Aufarbeitung des Mülls beschäftigen. Tatsächlich werden nur rund drei Prozent des Abfalls tatsächlich wiederverwertet. Der Rest landet auf einer der zahlreichen Müllkippen des Landes. Weil diese aber inzwischen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, wird nun kräftig investiert. Genutzt wird dafür ein Vehikel namens „Russischer Ökologischer Operator (REO)“. Das durchaus ambitionierte Ziel: In fünf Jahren sollen sechzig Prozent des Abfalls sortiert und immerhin 36 Prozent weiterverarbeitet werden. Dafür sollen Milliarden in die benötigte Infrastruktur investiert werden. Mit dem ehemaligen Minister Michail Men hat zudem ein politisches Schwergewicht die Führungsrolle übernommen.

Verpackungshersteller sollen Teil der Lösung werden

Allerdings will die Regierung nur rund ein Drittel der benötigten Gelder selbst aufbringen. Den Rest müssten private Firmen beisteuern. Dass dies durchaus realistisch ist, zeigt sich in Saransk. Dort hat das deutsche Unternehmen Remondis nicht nur die Mülltrennung etabliert, sondern auch bereits eine Anlage zur Müllsortierung errichtet. Aktuell wird zudem an einer Fabrik zur Müllverarbeitung gewerkelt. Solche und ähnliche private Initiativen werden allerdings ausgebremst, weil die Entsorgungspreise aus politischen Gründen eine bestimmte Obergrenze nicht überschreiten dürfen. Einspringen soll stattdessen die Industrie: Ähnlich wie in Deutschland wird über ein System verhandelt, bei dem Verpackungshersteller eine bestimmte Lizenzgebühr abführen müssen. Noch gibt es in diesem Punkt aber keine konkreten Ergebnisse.


Via: Handelsblatt

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