Der Bayer-Konzern erhält im juristischen Tauziehen rund um das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat eine Atempause. Nachdem drei Gerichte das Unternehmen in erster Instanz jeweils zu millionenschweren Strafzahlungen verurteilt haben, wurde der nun anstehende Prozess zunächst verschoben. Der Hintergrund: Bayer verhandelt mit den Klägern über einen außergerichtlichen Vergleich. Weil dies bei mehr als 18.000 Personen aber gar nicht so einfach ist, wurde der erfahrene Mediator Kenneth Feinberg gewissermaßen als Vermittler eingesetzt. Dieser dürfte dem zuständigen Richter nun signalisiert haben, dass sich die Verhandlungen auf einem guten Weg befinden. Andernfalls wäre es wohl kaum zu einer Verschiebung des Prozesses gekommen. Für den Bayer-Konzern ist dies aber nicht zwingend eine gute Nachricht. Denn die im Rahmen des Vergleichs zu zahlende Summe könnte alle bisher bekannten Dimensionen sprengen.


Bayer ging in den USA schon zahlreiche Vergleiche ein

Grundsätzlich sind Vergleiche zwischen Bayer und Klägern aus den USA gar nicht so selten. So zahlte Bayer einst rund zwei Milliarden Dollar, weil Verhütungspillen des Konzerns die Thrombosegefahr erhöhten. Auch wegen des Gerinnungshemmers Xarelto und des Cholesterinsenkers Lipobay wurde der Konzern verklagt – und einigte sich schließlich mit den Klägern. In der Regel funktioniert dies so: Bayer erkennt keine Schuld an, zahlt aber eine gewisse Summe, die an die Kläger ausgeschüttet wird. Im Gegenzug enden die Verfahren vor Gericht und es kehrt Rechtssicherheit ein. Für beide Seiten hat dies den Vorteil, dass langwierige Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Im Fall von Glyphosat allerdings ist Bayer aufgrund der bereits gefällten Urteile in keiner besonders guten Verhandlungsposition. Beobachter gehen daher davon aus, dass der Konzern im Rahmen eines Vergleichs möglicherweise sogar mehr als zehn Milliarden Euro zahlen müsste.


Drei Forderungen müssen erfüllt sein

Bayer scheint dazu auch durchaus bereit zu sein, stellt aber drei Forderungen. Zum einen sollen die Verhandlungen bis zum Frühjahr abgeschlossen sein. Der Vorstand möchte auf der nächsten Jahreshauptversammlung dringend gute Nachrichten präsentieren können. Außerdem hält Bayer Glyphosat auch weiterhin für sicher und will daher kein Schuldanerkenntnis unterschreiben. Und zu guter Letzt muss die Einigung sicherstellen, dass danach keine neuen Klagen mehr angestrengt werden können. Für den Mediator Feinberg ist dies eine knifflige Aufgabe. Er verfügt aber bereits über reichhaltige Erfahrung auf dem Gebiet und sorgte unter anderem für die Verteilung der Entschädigungen, die Volkswagen im Rahmen des Dieselskandals in den USA zahlen musste. Gut möglich also, dass Bayer das Kapitel Glyphosat-Klagen bald beenden kann. Günstig dürfte es aber nicht werden.

Via: Wiwo

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