Weltweit forschen Unternehmen seit vielen Jahren an der Entwicklung von Quantencomputern. IBM beherrschte vor einiger Zeit sogar die Schlagzeilen mit der Ankündigung, das erste kommerzielle Modell auf den Markt zu bringen. Tatsächlich war der Hype darum aber etwas übertrieben. Denn der kommerzielle Quantencomputer ist bei weitem noch nicht so leistungsfähig wie die bisher genutzten Supercomputer. Zur Einordnung: Der IBM-Computer kommt auf eine Leistung von 20 Qbits. Um schneller zu sein als die besten konventionellen Rechner wären aber rund 50 Qbits notwendig. Qbits sind die kleinste Recheneinheit bei Quantencomputern. Diese haben den Vorteil, dass sie – anders als Bits bei einem klassischen Computer – nicht nur die Zustände 1 und 0 annehmen können, sondern mehrere Zustände auf einmal verkörpern können. Oder anders ausgedrückt: Es können mehrere Rechenoperationen parallel ausgeführt werden.


Das Dokument erschien auf der Webseite der NASA

Der Moment, in dem es einem Quantencomputer gelingt, ein Problem zu lösen, an dem konventionelle Supercomputer scheitern, wird als Quantenüberlegenheit bezeichnet. Bisher allerdings schien die Forschung davon noch recht weit entfernt zu sein. Doch nun sorgt ein Forschungsbericht von Google für Aufsehen. Dieser erschien auf den Seiten der NASA und wurde dort von Journalisten der Financial Times entdeckt. Mittlerweile wurde das Dokument zwar wieder entfernt. Der Inhalt aber war hochbrisant: Denn dem Bericht zufolge, ist es einem Quantencomputer von Google gelungen, ein bestimmtes mathematisches Problem innerhalb von rund 200 Sekunden zu lösen. Ein klassischer Rechner hätte dafür hingegen rund 10.000 Jahre gebraucht. Weil dieser Zeitraum nicht realistisch ist, wäre damit der Zustand der Quantenüberlegenheit theoretisch erreicht. Doch es gibt Zweifel an den Ergebnissen von Google.


Noch steht eine unabhängige Überprüfung aus

Diese sind auf der einen Seite formaler Natur. Denn die Ergebnisse haben noch kein sogenanntes Peer-Review durchlaufen. Unabhängigen Wissenschaftlern wurde also noch nicht die Möglichkeit eingeräumt, die Daten zu überprüfen und nachzuvollziehen. Eigentlich ist dies aber bei wichtigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen Standard. Google spricht daher auch davon, dass der Forschungsbericht versehentlich zu früh veröffentlicht wurde. Erst nach dem Peer-Review-Prozess wird man seriös beurteilen können, ob den Forschern hier tatsächlich ein Durchbruch gelungen ist. Grundsätzlicher Natur ist hingegen die Kritik von IBM. Dort moniert man, dass Google den Quantencomputer speziell zur Lösung dieses einen mathematischen Problems entworfen habe. Von einer generellen Quantenüberlegenheit könne daher keine Rede sein.

Via: Engadget

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