»Wir arbeiten mit Hardware des 21. Jahrhunderts, doch wir haben noch immer die alte Software aus dem 19. Jahrhundert installiert«: Mit diesen schlichten Worten beschreibt der niederländische Journalist und Historiker Rutger Bregman unser modernes tägliches Leben. Produktivität, das bedeutet seit jeher, das Bruttosozialprodukt zu steigern – aber ist diese Vorstellung nicht längst überholt?


Wie sinnvoll ist es, wenn eine Gesellschaft sich an Jobs und Geld klammert?

Etwa 30 bis 40 % gehen einem sinnlosen Job nach

Bregman gehört zu den radikalen europäischen Vordenkern, die festgefahrene Strukturen vehement in Frage stellen. Sein Interview mit NEON, einer Extension der Plattform stern.de, stimmt nachdenklich und bringt uns zugleich auf neue, ziemlich abgefahrene Gedanken. Was wäre, wenn wir alle nur noch 15 Stunden arbeiten müssten? Bregman geht davon aus, dass etwa 30 bis 40 % aller Menschen ohnehin einer sinnlosen Arbeit nachgehen, die man in einer »abgespeckten« Gesellschaft auch einfach weglassen könnte. Dabei handelt es sich zumeist um besonders hochbezahlte Jobs! Doch der Sinn des Lebens besteht nicht daraus, ganz viel zu arbeiten, um immer mehr und mehr konsumieren zu können. Die wirklich nützlichen Arbeiten könnte man sich neu aufteilen, wenn die Unsinns-Jobs wegfallen – und dann bleibt mehr als genügend Freizeit für alle übrig, um diese sinnbringend zu füllen.

»Wir müssen den Begriff Arbeit überdenken«

Bregman geht davon aus, dass eine große Zahl Menschen einen Teil der neu gewonnenen freien Zeit zum Beispiel in Kinder oder alte Menschen investieren würde. In Ländern mit wenigen Arbeitsstunden funktioniert das laut verschiedener wissenschaftlicher Studien bereits. Kurzum: Jeder soll den größten Teil des Tages einfach das machen, was ihm Freude bereitet und schlussendlich würde gar nicht mehr so viel Arbeit übrig bleiben, die keiner erledigen möchte – und für die man doch etwas bezahlen muss. »Wir müssen den Begriff Arbeit überdenken«, mahnt der Querdenker außerdem an. »Wir sollten weniger arbeiten, um mehr zu tun.«


Bregman führt einen höchst interessanten Vergleich an: 1970 gingen in Irland die Bänker in Streik, und das ein halbes Jahr lang. Doch kaum jemand nahm davon Notiz, darum kehrten sie irgendwann von selbst wieder zurück zur Arbeit. Als aber 1968 die Müllmänner ihren Job für kurze Zeit niederlegten, kam es zum nationalen Notstand! Die zunehmende Automatisierung könnte uns den Vorschub dazu leisten, eine neue Gesellschaft zu gestalten, die auf dem Prinzip der Freiwilligkeit basiert – und nur noch wenig zeitintensive Jobs zu vergeben hat. Oder würde dann alles um uns herum zusammenbrechen, was meint ihr?

Quelle: stern.de/neon

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1 Kommentar

  1. David Kummer bGE

    25. Juni 2018 at 01:03

    Ich sage ja schon lange, 21h Woche ist optimal.
    Bei Max 42h Woche und Max 20% Überstunden im Jahr.

    Schön daran ist, das ich nur noch jede 2. Woche Arbeiten könnte und die andere daheim bleiben kann. 7h Tage sind ja heute schon normal fast. Daher die 21h.

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