Das physikalische Phänomen der destruktiven Interferenz ist bereits seit langer Zeit bekannt. Vereinfacht ausgedrückt geht es darum, was passiert, wenn zwei gegenläufige Schallwellen aufeinander treffen. In diesen Fällen entsteht nicht mehr Lärm, sondern – im besten Fall – Stille. Doch was in der Theorie noch recht simpel klingt, ist in der Praxis nur schwer zu realisieren. Wer etwa an einer viel befahrenen Autobahn wohnt und nun Hoffnung schöpft, der muss enttäuscht werden. Denn der Straßenlärm besteht aus zu vielen unterschiedlichen Komponenten, um diesen durch gezielte Gegen-Schallwellen zu neutralisieren. Anders sieht dies aber einzelnen Maschinen aus, die für einen hohen Lärmpegel verantwortlich sind. Genau darauf hat sich daher auch das Hamburger Startup Recalm spezialisiert.


Der Lärm des Baggers reduziert sich um rund 75 Prozent

So hat die Firma eine spezielle Baggerkabine entwickelt, die aktuell auf mehreren Fachmessen der Öffentlichkeit präsentiert wird. Das Anti-Lärm-System ist in die Kopfstütze des Fahrers integriert und kann per Knopfdruck ein- und ausgeschaltet werden. Während des laufenden Betriebs analysiert die Software zunächst den Lärm in der Umgebung. Im Falle des Baggers wird dies zumeist das Geräusch des Motors sein. Anschließend wird dann gezielt ein Gegenschall erzeugt. Auf diese Weise kann die Lärmbelastung für den Fahrer um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Gegenüber klassischen Lärmschutzmaßnahmen wie Ohrenschützern hat die Technologie den Vorteil, dass nur bestimmte Geräusche gefiltert werden. Warnrufe von Kollegen oder das Martinshorn der Polizei hört der Fahrer auch weiterhin so gut wie vorher.


Weitere Lösungen sind bereits in Planung

Den Angaben des Startups zufolge sind bereits mehrere Hersteller an dem System interessiert. Der offizielle Verkaufsstart ist für den April nächsten Jahres geplant. Verkauft sich die Baggerkabine so gut wie aktuell erwartet, sollen anschließend dann auch Lösungen für Flugzeuge, Autos und Büroräume entwickelt werden. Dafür wurde bereits im August 2017 die Recalm GmbH gegründet, die für den wirtschaftlichen Betrieb zuständig ist. Bis dahin hatte Firmengründer Marc von Elling als Privatperson an dem Projekt gearbeitet und war unter anderem von Airbus gefördert worden. Zuvor hatte er Elektrotechnik studiert und war von seinem Professor ermuntert wurden, seine etwas kuriose Idee – Lärm mit Lärm zu bekämpfen – voranzutreiben und zu vermarkten. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich das Konzept tatsächlich flächendeckend etablieren wird.

Via: Recalm

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