Aktuell ist Gerd Müller, der deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, auf Dienstreise in Brasilien. Dort traf er sich auch mit der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro, um über den Schutz des Regenwaldes zu verhandeln. Ganz einfach dürften die Gespräche nicht gewesen sein. Denn Bolsonaro hält relativ wenig von Umwelt- und Klimaschutz. Eine seiner ersten Amtshandlungen war es daher, die Aufsicht über die Regenwälder dem Landwirtschaftsministerium zu übertragen. Seitdem steht vor allem die wirtschaftliche Nutzung im Zentrum der Politik. Oftmals bedeutet dies schlicht: Die Rodung der jahrhundertealten Baumbestände. Denn insbesondere für den Soja-Anbau werden gewaltige Flächen benötigt. Diese können kurzfristig am preiswertesten beschafft werden, indem der Regenwald immer weiter zurückgedrängt wird.


Der Bundesstaat Acre galt lange als Vorzeigemodell

Die langfristigen Kosten sind allerdings gewaltig. Denn der Regenwald spielt nicht nur für das lokale Ökosystem eine wichtige Rolle, sondern dient auch als natürlicher CO2-Speicher. Die Vereinten Nationen haben daher das sogenannte REDD-Programm ins Leben gerufen. Die Idee dahinter: Das im Regenwald gespeicherte CO2 soll einen ökonomischen Wert erhalten. Sorgt also ein Land oder eine Region dafür, dass der natürliche Speicher erhalten bleibt, schüttet die Weltgemeinschaft im Gegenzug Prämien aus. An dem Programm nimmt auch der brasilianische Bundesstaat Acre teil. Dieser ist fast vollständig von Regenwald bedeckt und hat die Entwaldung bis zum Jahr 2017 um sechzig Prozent reduziert. Im Gegenzug überwies Deutschland rund 25 Millionen Euro aus dem Entwicklungsetat in das Amazonasgebiet.


Die Soja-Importe Europas sind Teil des Problems

Doch die vermeintliche Win-Win-Situation ist nun in Gefahr. Denn auch in Acre haben die Rodungen zuletzt wieder zugenommen. So wurden im Jahr 2018 doppelt so viele Flächen abgeholzt wie ein Jahr zuvor. Schuld daran ist auch die Europäische Union. Denn ein nicht unerheblicher Teil des in Brasilien angebauten Sojas wird in die EU exportiert – und dort zumeist an Schweine verfüttert. Bundesentwicklungsminister Müller will daher eine Zertifizierung einführen. Demnach soll nur noch Soja importiert werden dürfen, dass nachweislich nicht auf gerodeten Flächen angebaut wurde. Umweltschützer halten dies Idee aber für wenig praktikabel. Sie fordern stattdessen die Zahl der Nutztiere in Deutschland zu reduzieren und so weniger Tierfutter zu importieren.

Via: Klimareporter

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1 Kommentar

  1. Charlotte Beimer

    16. Juli 2019 at 14:51

    Das sich Minister Müller mit Präsident Jair Bolsonaro getroffen hat stimmt nicht!

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