Im Sommer können die Temperaturen in Los Angeles regelmäßig auf Werte von über vierzig Grad Celsius steigen. Innerhalb der Stadt sorgt zudem ein besonderer Effekt dafür, dass sich die Luft weiter aufheizt: Der schwarze Asphalt auf den Straßen nimmt bis zu 95 Prozent des Sonnenlichts auf und speichert so enorm viel Wärme. Anschließend wird diese Hitze abgegeben – und sorgt so für noch wärmere Temperaturen. In gewisser Weise wirkt die Straße dann wie eine ungewollte Fußbodenheizung. Abhilfe soll nun eine Spezialfarbe schaffen: Diese wird auf den normalen Straßenbelag aufgetragen und sorgt dann dafür, dass ein Großteil des Sonnenlichts reflektiert wird. Dadurch soll weniger Hitze am Boden gespeichert werden. Erste Tests zeigten, dass sich die Temperatur des Belags so um sechs bis sieben Grad reduzieren lässt.


Die Häuser und Straßen der Metropole heizen sich tagsüber zu stark auf. Bild: Los Angeles Downtown, PROAydin Palabiyikoglu, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die Spezialfarbe könnte die Nutzung von Klimaanlagen reduzieren

Im Idealfall heizt sich damit dann auch die Umgebung weniger stark auf – und die Temperaturen im gesamten Straßenzug sinken. Davon profitieren dann vor allem ärmere Einwohner der Stadt, die sich den dauerhaften Betrieb einer Klimaanlage nicht leisten können. Aber auch Häuser und Fahrzeuge mit Kühlfunktion können diese seltener laufen lassen – wodurch sich eine Reduzierung der Klimaemissionen ergeben würde. Bisher wurde die Spezialfarbe nur auf Parkplätzen getestet, nun kommt sie erstmals auch auf einer öffentlichen Straße zum Einsatz. Geklärt werden sollen vor allem zwei Punkte: Ob der neue Straßenbelag von der Bevölkerung angenommen wird und inwieweit der Straßenverkehr die Spezialfarbe wieder abdunkeln lässt.

Auch weiße Hausdächer haben einen ähnlichen Effekt

Straßen und Fußwege bedecken allerdings nur 15 Prozent der urbanen Flächen. Vierzig Prozent werden hingegen von Gebäuden belegt. Auch in diesem Bereich gab es bereits einen ähnlichen Lösungsvorschlag. Der ehemalige Energieminister der Vereinigten Staaten Steven Chu, selbst Physik-Nobelpreisträger, schlug einst vor, alle Dächer des Landes weiß zu streichen. Dadurch sollte ebenfalls mehr Sonnenlicht reflektiert werden. Erste Berechnungen ergaben, dass dadurch zwar die Erderwärmung generell nicht beeinflusst wird – in den Städten die durchschnittliche Temperatur aber immerhin um 0,4 Grad sinken würde. In Los Angeles wird nun getestet, ob die Spezialfarbe auf den Straßen einen ähnlichen Effekt herbeiführen kann. Ganz billig ist die Umrüstung allerdings nicht: Sie kostet zwischen 21.000 und 34.000 Euro pro Meile.


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