945 Tage – so lange hat ein Schweineherz in den USA im Körper eines Pavians geschlagen. Ermöglicht hat dies ein speziell entwickelter Wirkstoffcocktail. Die amerikanischen und deutschen Forscher stellten damit einen neuen Rekord auf, bisher gelangen ähnliche Experimente lediglich halb so lang.


Fortschritte bei der Unterdrückung der Abstoßungsreaktion

Den Austausch von Organen zwischen verschiedenen Arten bezeichnet man als Xenotransplantation. Im Lichte des stetig vorhandenen Mangels an Spendenorganen in der Humanmedizin wird die Xenotransplantation auch als Möglichkeit in Betracht gezogen, Organversagen bei Menschen zu behandeln. Das größte Problem ist dabei das Immunsystem des Empfängers: Dieses reagiert auf speziesfremde Implantate mit besonders heftigen Abstoßungsreaktionen. Einem Team um Muhammad Mohiuddin von den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda gelang es nun, diese Immunreaktionen mit bisher unbekanntem Erfolg in den Griff zu kriegen.


Für ihr Experiment verwendeten die Wissenschaftler fünf Anubispaviane im Alter zwischen zwei und drei Jahren, die das Herz von sechs bis acht Wochen alten, genmodifizierten Schweinen eingesetzt wurden. Die Organe wurden im Bauchraum der Tiere an deren Blutversorgung angeschlossen. Der Kreislauf der Paviane wurde allerdings weiter von deren eigenen Herzen aufrecht erhalten. Es ging den Forschern lediglich darum, zu zeigen, dass die Abstoßungsreaktionen in den Griff zu bekommen sind.

Schweine als Organlieferanten für Menschen

An den Experimenten wirkten auch zwei Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit. “Diese [die Herzen der Paviane] wirklich zu ersetzen, wird der nächste Schritt sein, an dem wir in München gerade arbeiten. Die Meisterleistung bei diesen Versuchen war die erfolgreiche Immunsuppression. Sie ist sehr simpel, nicht toxisch und auch beim Menschen machbar.*”, so Prof. Bruno Reichart, der als Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereichs für Xenotransplantation (Transregio 127) fungiert.

Um die Abstoßungsreaktionen zu verhindern, setzten die Forscher eine Mischung bestimmter Wirkstoffe und Antikörper ein. “Die Organe starben erst ab, nachdem die Immunsuppression abgesetzt wurde, um zu testen, ob die Organe sich eventuell angepasst hätten”, so Reichart weiter.

Schweine können auch als Spender von Organen für menschliche Empfänger in Frage kommen, da die Stoffwechsel der beiden Spezies sich recht ähnlich sind. Das ist deshalb relevant, weil es nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 2014 etwa 300 Herztransplantationen gab, aber 500 Patienten, die eine solche benötigten.

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