Bei Tierversuchen konnte schon mehrmals nachgewiesen werden, dass soziale Isolation und eine monotone Umwelt schädliche Auswirkungen auf das Gehirn der Tiere haben. Allerdings ist es gar nicht so einfach, ähnliche Messungen auch beim Menschen durchzuführen. Denn natürlich kann man nicht einfach Probanden zu Versuchszwecken monatelang in einen dunklen Raum sperren. Allerdings waren zuletzt neun Forscher für rund vierzehn Monate auf der deutschen Forschungsbasis Neumayer-Station III in der Antarktis. Vor und nach dem Aufenthalt wurden jeweils strukturelle Aufnahmen des Gehirns gemacht und Blutproben genommen. Außerdem absolvierten die Teilnehmer einige kognitive Tests. Das Ergebnis: Bei den Forschern wurden deutliche Verkleinerungen in den Teilbereichen des Hippocampus festgestellt, die für das Gedächtnis und das räumliche Denken verantwortlich sind.


Antarctica
Bild: Antarctica, Andreas Kambanis, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die Veränderungen dürften nicht von Dauer sein

Konkret fiel beispielsweise der Lerneffekt bei den kognitiven Übungen weniger stark aus, als zu erwarten gewesen wäre. Dies gilt insbesondere, weil die Teilnehmer der Antarktis-Expedition 25 bis 36 Jahre alt waren – und damit noch vergleichsweise jung. Allerdings geht Alexander Stahn von der Berliner Charité, der mit seinem Team die Untersuchungen durchführte, nicht von dauerhaften Schäden aus. Vielmehr sollte sich das Gehirn im Laufe der Zeit in diesen Bereichen wieder regenerieren. Belastbare Daten gibt es aber auch hier noch nicht. Deshalb wollen die Forscher nun genauer analysieren, welche Einflüsse konkret zu den Veränderungen geführt haben. Denkbar wären etwa Reizarmut, mangelnde Sozialkontakte, zu wenig Schlaf oder soziale Konflikte innerhalb der Gruppe. In einem zweiten Schritt könnte dann an Präventionsmaßnahmen gearbeitet werden.

Die Ergebnisse sind auch für die Raumfahrt relevant

Gleichzeitig verweisen die Forscher allerdings auch darauf, dass die Untersuchungen nur erste Anhaltspunkte bieten können. Denn die Zahl der Probanden war mit neun recht klein. Außerdem traten die beschriebenen Veränderungen auch nicht bei allen Teilnehmern der Expedition gleich stark auf. Verallgemeinerungen sollten daher nur mit größter Vorsicht vorgenommen werden. Dennoch könnten die Ergebnisse auch in einem anderem Bereich der Wissenschaft von großem Interesse sein. So wurde die Studie unter anderem finanziell vom „Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt“ gefördert. Denn prinzipiell dürften auch die Belastungen während eines langen Weltraum-Aufenthalts recht ähnlich ausfallen. Tatsächlich hat auch die NASA bei US-Astronauten bereits Hirnveränderungen festgestellt. Auch dort steht die Forschungsarbeit aber noch relativ weit am Anfang.


Via: MZ-Web

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