Die Vereinigten Staaten kämpfen bei der Gesundheitsversorgung mit einem besonderen Paradoxon: Auf der einen Seite liegen die Ausgaben pro Kopf höher als in jedem anderen Land der Welt. Gleichzeitig sinkt aber die Lebenserwartung der US-Bürger und liegt inzwischen niedriger als etwa in Slowenien. JP Morgan kam in einer Studie zuletzt zu dem Ergebnis, dass sich dies auch zukünftig nicht ändern wird. Demnach sollen die Kosten für das Gesundheitssystem mindestens bis zum Jahr 2025 stärker steigen als das Bruttoinlandsprodukt. Drei mächtige Männer wollen dies nun allerdings ändern: Amazon-Boss Jeff Bezos, Investoren-Legende Warren Buffet und JP Morgan Chef Jamie Dimon. Gemeinsam kündigten sie die Gründung einer eigenen Krankenkasse an – zunächst ausschließlich für die Mitarbeiter ihrer Unternehmen.


Auch Investoren-Legende Warren Buffett will nochmal eine Branche aufmischen.

Zu viele Zwischenhändler sorgen aktuell für hohe Kosten

Die Neugründung wäre allerdings gleich zu Beginn ein wichtiger Spieler auf dem Gesundheitsmarkt. Denn alle drei Unternehmen gemeinsam beschäftigen weltweit rund 900.000 Menschen. Eine Gewinnabsicht soll die neue Versicherung zudem nicht haben. Den beteiligten Managern dürfte es schon reichen, wenn die Kosten niedrig bleiben und so die Belastung für ihre eigentlichen Firmen gesenkt werden kann. Experten halten dies für gut möglich. Denn das US-Gesundheitssystem ist notorisch ineffizient – was verschiedene Gründe hat. Zum einen gibt es zu viele Zwischenhändler, die mitverdienen wollen. Hier könnte das neue Unternehmen für eine radikale Vereinfachung sorgen. Zum anderen sollen technologische Ansätze dafür sorgen, dass die bestehenden Ressourcen besser genutzt werden. Konkret könnte dies etwa bedeuten, Patienten mit leichteren Erkrankungen öfter zunächst zum Hausarzt und nicht in die Notaufnahme zu schicken.

Die US-Behörden werden die neue Krankenversicherung genau unter die Lupe nehmen

Ein erstes Anzeichen, dass es sich um keine völlig abwegige Idee handelt, gibt es auch bereits: Die Aktienkurse der großen US-Krankenversicherungen sanken in Folge der Ankündigung massiv. Offensichtlich ist auch den Investoren bewusst, dass es im Gesundheitssystem massive Einsparpotentiale gibt, ohne dass darunter die Versorgung der Patienten leiden muss. Allerdings handelt es sich bei den beteiligten Managern auch nicht um reine Philanthropen. Die US-Behörden werden sich also sehr genau anschauen müssen, inwieweit auch die Mitarbeiter von der neuen Krankenversicherung profitieren – oder ob eine Kostenreduzierung auf ihrem Rücken stattfindet. Traditionell ist die staatliche Kontrolle im Gesundheitswesen aber ohnehin deutlich strenger als etwa beim Online-Handel mit Büchern. Erweist sich der Ansatz dennoch als erfolgreich, soll die neue Krankenversicherung später auch den Mitarbeitern anderer Unternehmen angeboten werden.

Via: New York Times


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