Alina Schick lässt Pflanzen rotieren. Was schon nach Unsinn klingt. Doch die Biologin setzt noch eins drauf: Die Bäume stehen nicht wie üblich senkrecht in ihren Kübeln, sondern waagerecht. Schick will damit den Pflanzen die natürliche Orientierung nach der Schwerkraft der Erde nehmen. Was ihr auch gelingt. „Der erste Ligusterbaum, den wir in einen solchen rotierenden Kübel gesetzt haben, dreht sich nun schon seit drei Jahren und ist nach wie vor gesund“, sagt sie.


Bildquelle: Visioverdis

Bäume entschärfen Schadstoffe in der Luft

Der Hintergrund ist durchaus ernst. Die Gründerin von Visioverdis, einem Spin-off der Stuttgarter Universität Hohenheim, will ihre waagerecht wachsenden und ständig rotierenden Bäume in Städten an Fassaden befestigen. Dort sollen sie Schatten spenden, das Klima in den Häuserschluchten verbessern sowie Feinstaub und andere Schadstoffe, unter denen viele Innenstädte leiden, unschädlich machen. „Es ist dringend nötig, neuen Raum für Pflanzen in den Städten zu schaffen. Hier setzt unsere Technologie zur Fassadenbegrünung an“, sagt die Jungunternehmerin. Sie denkt auch daran, waagerecht wachsende Nutzpflanzen anzubauen: Aus den Fassaden von Bürohäusern und Hotels sprießen dann Kohlköpfe, Möhren und Rukola.

Erste Installation zum Lutherjahr

Ihre erste Bio-Installation ist vom 20. Mai an in der Lutherstadt Wittenberg zu sehen. Dort hat sie eine alte Schmiede mit waagerecht wachsenden Bäumen dekoriert. Die Initiative dazu ging von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg aus. Sie bestellte das Werk aus Anlass des 500 Jahrestags des Beginns der Reformation. Die Landeskirche will mit ihrem Beitrag zur Weltausstellung Reformation zeigen, wie sich in Württemberg landwirtschaftliche Tradition und die Innovationsfreude der schwäbischen Tüftler begegnen.


Rebenvorhang hinter der Bühne

Im Inneren des Gebäudes wachsen in 80 aufgeschnittenen Weinflaschen Reben, die sich an einer Seilkonstruktion emporranken. „Die Weinpflanzen vereinen Erbanteile von Riesling und Sauvignon blanc. Zudem sind amerikanische und asiatische Wildreben eingekreuzt, weshalb die Pflanzen weitgehend resistent gegen Pilzkrankheiten sind“, so Schick. Der Rebenvorhang wächst hinter der Bühne, auf der es Veranstaltungen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg während des Jubiläumsjahres geben wird.

via Universität Hohenheim

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