Richter Elihu Berle ist eigentlich nicht über die Grenzen Sacramentos hinaus bekannt. Eines seiner Urteile sorgte nun aber weltweit für Schlagzeilen: Er verurteilte die Kaffeehauskette Starbucks dazu, Warnhinweise auf eine mögliche Krebsgefahr auf ihren Kaffeeprodukten anzubringen. Betroffen von der Entscheidung wäre aber wohl nicht nur die Kette aus Seattle, sondern auch alle anderen Anbieter – etwa McDonalds oder zahlreiche Diner. Verklagt hat die Nichtregierungsorganisation CERT jedenfalls gleich 90 entsprechende Unternehmen. Doch was steckt hinter der Entscheidung des Richters? Zunächst einmal eine besondere Gesetzeslage in Kalifornien. Dort gibt es eine Verordnung namens „Proposition 65“. Darin sind mehr als 900 Chemikalien aufgelistet, die als schädlich für den Menschen gelten. Nahrungsmittel, die einen der aufgelisteten Stoffe enthalten, müssen seither mit einem Warnhinweis versehen werden.


Kaffee Kraftstoff
Foto: dumping into portafilter, David Joyce, Flickr, CC BY-SA 2.0

Acrylamid entsteht generell bei Röstvorgängen

Die Aktivisten von CERT verwiesen nun darauf, dass beim Röstungsprozess von Kaffeebohnen Acrylamid entsteht – eine Chemikalie, die in der Verordnung aufgelistet ist. Dem Urteil des Richters zufolge gelang es Starbucks nun nicht, darzulegen, weshalb der Stoff bei Kaffee keine oder nur eine zu vernachlässigende Gefahr darstellt. Daher gilt seiner Einschätzung nach: Ein Warnhinweis ist Pflicht. Tatsächlich ist Acrylamid allerdings nicht nur im Kaffee enthalten, sondern entsteht generell bei Röstvorgängen – also etwa auch bei der Herstellung von Pommes. Die größte Quelle von Acrylamid-Belastung in der Bevölkerung bleibt aber der Zigarettenkonsum. In Deutschland hatte die Stiftung Warentest Bohnen von Espresso untersucht und jeweils keine Überschreitung der entsprechenden Grenzwerte festgestellt.

Aktuell gibt es keinen Hinweis auf eine Krebsgefahr durch Kaffee

Wie gefährlich ist Acrylamid aber wirklich? Das lässt sich wissenschaftlich nicht genau beziffern. Die Weltkrebsforschungsagentur IARC ordnet den Stoff in der Kategorie 2A ein – also als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“. Es gilt allerdings: Die Dosis macht das Gift. So muss etwa nicht komplett auf Pommes verzichtet werden, es wird aber empfohlen, diese bei unter 180 Grad im Backofen zu erhitzen. Kaffee wiederum wird von der IARC sogar nur in Kategorie 3 eingeordnet. Das bedeutet: Aktuell gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise auf eine Krebsgefahr. Im Gegenteil: Es gibt Studien, die belegen, dass regelmäßiger Kaffekonsum das Risiko reduzieren kann, an bestimmten Krebsarten zu erkranken. Nach aktuellem Forschungsstand lässt sich also sagen: Die Tasse Kaffee am Morgen kann bedenkenlos genossen werden.


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