In Indien wollte das Unternehmen Ringing Bells mit dem Freedom 251 das mit einem Preis von 3,35 Euro günstigste Internethandy auf den Markt bringen. So wäre auch ärmeren Menschen die Möglichkeit gegeben worden, einen Internetzugang zu erhalten. Ob jedoch jemals ein Kunde das Freedom 251 in der Hand halten wird, scheint aktuell zweifelhaft.


Freedom 251

Smartphone für weniger als 5 Euro

Indien ist momentan der am schnellsten wachsende Mobilfunkmarkt der Welt. Und ausgerechnet hier kündigte das bis dahin unbekannte Unternehmen Ringing Bells im Februar an, ein Internethandy für weniger als 10 US-Dollar auf den Markt bringen zu wollen. Letztlich kostet das Modell „Freedom 251 nun 251 indische Rupien, was 3,35 Euro entspricht. Damit ist das Smartphone deutlich günstiger als billige Modelle aus China, die nur selten unter 50 Euro zu bekommen sind.


Für 3,35 Euro erhält der Kunde auf dem Papier im Grunde alles, was ein modernes, internetfähiges Smartphone ausmacht: Das Freedom 251 hat ein vier Zoll großes IPS-Display, einen Vierkern-Prozessor, ein Gigabyte Arbeitsspeicher sowie eine Front- und Rückseitenkamera. Auf LTE-Unterstützung müssen die Käufer zwar verzichten, aber ein 3G-Modul sowie eine WLAN-Schnittstelle sorgt dafür, dass der Anschluss ans Internet gewährleistet wird. Der Akku des Freedom 251 soll knapp 100 Stunden Standby und 8 Stunden Gesprächszeit ermöglichen.

Das Freemom 251 muss sich also vor der Konkurrenz aus China nicht verstecken, und mit dem bereits im Namen enthalten Preis von 251 Rupien ist es geradezu sensationell günstig. So sensationell günstig, dass aktuell noch angezweifelt wird, ob die für die kommenden Tage angekündigte Auslieferung der ersten Modelle überhaupt stattfindet.

Skepsis gegenüber Ringing Bells

Grund zur Skepsis hat die Fachwelt allemal. Die Finanzierung des Projektes bzw. die wirtschaftliche Motivation des Herstellers darf in Zweifel gezogen werden, schließlich ließe sich mit Smartphones für 50 US-Dollar bereits kaum gewinn machen. Ein vollwertiges Smartphone für 4 Dollar scheint da fast nicht umsetzbar zu sein.

Ein weiterer Grund zur Skepsis ist Mohit Goel, der Ringing Bells 2015 gründete. Laut dessen Eltern habe ihr Sohn bis vor wenigen Monaten in einem Einzehandelsgeschäft ausgeholfen, und die Homepage von Ringing Bells wirkt geradezu unprofessionell.

Nach Angaben von Goel macht Ringing Bells pro verkauftem Smartphone, dessen Elektronik aus Taiwan kommt und das in der Nähe von Delhi montiert wird, einige Hundert Rupien Verlust. Für Gewinn sollen Werbe- und Marketingdeals sorgen.

Ringing Bells möchte sich auch nicht auf Smartphones beschränken. Goel kündigte an, bald den günstigsten LED-Fernseher Indiens anzubieten, der bereits für umgerechnet 120 Euro zu haben sein wird.

Chancen im Niedrigpreis-Segment

In einem Land, in dem der durchschnittliche Lohn pro Kopf nur 1117 US-Dollar pro Jahr hat, ergibt eine Konzentration auf den Niedrigpreis-Sektor durchaus Sinn. Ein Konzept, bei dem mit der Hardware Verluste gemacht werden, die durch Werbung kompensiert werden sollen, ist aber ein mutiges Unterfangen. Nach Angaben es Unternehmens sollen allerdings bereits 70 Millionen Menschen versucht haben, sich ein „Freedom 251“ zu bestellen. In der ersten Charge, so gab Ringing Bells an, möchte das Unternehmen 200.000 Smartphones an Kunden ausliefern, die per Los ausgewählt werden.

Freedom 251 gescheitert?

Die Auslieferung des Freedom 251 sollte am 30. Juni beginnen und wurde seitdem immer wieder wenige Tage nach hinten geschoben. Auch die Zahl der Anzahl an Geräten, die im ersten Durchgang verlost werden sollten, wurde schrittweise bis auf 5000 Exemplare reduziert. Nun sieht es so aus, als stünde das Projekt kurz vor dem aus. Die Kollegen von GSMArena zitierten einen Vertreter von Ringing Bells wie folgt:

We have brought ‘Freedom 251’ which we offer on ‘Cash on Delivery’ terms but we have a gap between the BOM (Bill of Materials) and the Selling Price. We, therefore, humble request government support to actualise the objective to cascade the availability and usage of smartphones all through the far reaches of our great nation.

Ringing Bells wendet sich also an die indische Regierung, was ein recht verzweifelter Schritt zu sein scheint. Angeblich fehlen 7,4 Milliarden Dollar, um das Smartphone doch noch zu realisieren, was bei dem Geschäftsmodell nicht unbedingt überraschend ist. Dass die indische Regierung sich darauf einlassen wird, scheint so gut wie unmöglich. Es spricht also vieles dafür, dass das Projekt Freedom 251 als gescheitert anzusehen ist.

Ringing Bells lässt sich davon indes nicht verunsichern. Das Unternehmen kündigte bereits 4 weitere Smartphones mit einer Preisspanne von 10 bis 16 US-Dollar an. Ob nach dem Debakel rund um das Freedom 251 noch viele Kunden Vertrauen in das Unternehmen haben, darf aber bezweifelt werden.

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