Rund zehn Jahre lang bastelten die Ingenieure von Rivian eher im Stillen an den ersten Fahrzeugmodellen des Konzerns. Auf der Automesse in Las Vegas im vergangenen Jahr wurden schließlich die ersten beiden Produkte vorgestellt: Der SUV R1S und der Pick-up R1T. Beide überzeugen mit erstaunlichen Leistungsdaten. So soll eine Akkuladung für rund 640 Kilometer reichen. Stolze 750 PS sorgen zudem dafür, dass die schweren Transporter innerhalb weniger Sekunden auf einhundert Stundenkilometer beschleunigen können. Nun gab das Startup eine neue Finanzierungsrunde in Höhe von 700 Millionen Dollar bekannt. Das Spannende daran: Angeführt wurde die Runde von dem Online-Händler Amazon. Erst kurz zuvor hatte der Konzern in eine Firma namens Aurora investiert, die sich auf Technologie für das autonome Fahren spezialisiert hat. Vor allem 3 Gründe dürften Amazon zu diesen Investments bewogen haben:


Bild: Rivian

1. Die eigene Logistik

Vor allem in den Vereinigten Staaten stellt Amazon immer mehr Pakete selbst zu. Dies hat zur Folge, dass der Konzern auch in eigene Lieferwagen investieren muss. Durch den Einstieg bei Rivian kann nun zum einen frühzeitig Einfluss auf das Design der Zustellfahrzeuge genommen werden. Zum anderen ließen sich durch elektrisch angetriebene und autonom fahrende Lieferwagen die Betriebskosten massiv senken. Letztlich könnte Amazon so auch zu einem wichtigen Spieler auf dem Logistikmarkt werden. Ausreichend Geschäftschancen bieten sich dort auf jeden Fall: Alleine in Amerika wird der Umsatz der Branche auf 900 Milliarden Dollar geschätzt. Einen ähnlichen Weg ging vor einiger Zeit auch die Deutsche Post, die den Hersteller des Streetscooter übernahm und den Elektro-Lieferwagen nun auch an andere Unternehmen verkauft.

2. Die Integration von Alexa

Der Online-Händler ist zudem auch führend bei der Technologie zur Spracherkennung. Genutzt wird dies aktuell vor allem in der eigenen Produktfamilie – etwa beim Echo Dot oder dem Fire TV Stick. Zukünftig ließe sich die Software aber auch in Fahrzeugen zum Einsatz bringen. Durch die Zusammenarbeit mit Rivian könnte nicht nur den Käufern des Startups ein Mehrwert geboten werden, sondern Amazon würde auch wichtige Erfahrungswerte sammeln. Langfristig wäre es dann möglich, Alexa an verschiedene Hersteller zu vermarkten und hohe Lizenzeinnahmen zu generieren. Außerdem besäße Amazon so einen weiteren wichtigen Zugangspunkt zu potentiellen Kunden. Es wird daher spannend sein, zu beobachten, welche neuen Features Rivian in den nächsten Jahren präsentieren wird.


3. Gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Amazon investiert zudem keine Milliardensummen in die Fahrzeugbranche. Bei der Finanzierungsrunde von Rivian beispielsweise war auch noch das saudi-arabische Unternehmen Abdul Latif Jameel beteiligt. Insgesamt dürfte es sich also um ein Investment im mittleren dreistelligen Millionenbereich handeln. Bei einem Jahresgewinn von zuletzt zehn Milliarden Dollar, kann der Konzern sich dies gut leisten. Gleichzeitig eröffnen sich große Chancen auf eine enorme Wertsteigerung. Denn die Elektromobilität und das autonome Fahren gelten als die nächsten großen Trends im Automobil- und Logistiksektor. Selbst wenn sich die Hoffnungen aus den ersten beiden Punkten also nicht erfüllen sollten, könnte es sich somit immer noch schlicht um ein lukratives Finanzgeschäft handeln.

Via: Ars Technica

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