Forscher der Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) haben einen Roboter-Aal entwickelt, der Gewässer nach Schadstoffen absucht. Er schlängelt sich wie sein natürliches Vorbild durch die Fluten, sieht allerdings völlig anders aus. Er besteht aus einer Reihe von Gliedern, die alle mit kleinen Elektromotoren ausgestattet sind. Diese bewegen die Elemente gegeneinander, sodass sich eine Vorwärtsbewegung ergibt. Auch Kurven sind möglich. Die Koordination übernimmt ein Mikroprozessor an Bord. Die Messungen, die der Roboter-Aal vornimmt, sind vollkommen unverfälscht, denn er wirbelt keinen Schlamm auf. Außerdem stört er die übrigen Wassertiere nicht, weil er nahezu lautlos schwimmt. Er wuselt sogar problemlos durch dichte Algen.


Bild: Alain Herzog / 2017 EPFL

Erste Tests im Genfer See

Entwickelt hat den Envirobot (von environment = Umwelt und Roboter) Biotechnik-Professor Auke Ijspeert mit seinem Team. Der 1,5 Meter lange Roboter-Aal ist mit zahlreichen Sensoren ausgestattet. Bei ersten Versuchen im Genfer See kam es auf ein Gerät an, das den elektrischen Widerstand misst. Die Forscher verunreinigten das Wasser in Ufernähe mit einer kleinen Menge Salz. Dann ließen sie den Envirobot zu Wasser. Der war so programmiert, dass er eine bestimmte Route abschwamm. Schon nach kurzer Zeit meldete er den Schadstoff, der die Leitfähigkeit des Wassers verändert hatte. Selbstständig bewegte er sich danach weiter, um das Ausmaß der Verschmutzung zu dokumentieren. Zuletzt erreicht er den Punkt, an dem das Salz eingeleitet wurde – der Envirobot ermittelt also auch den jeweiligen Verursacher.

Der Envirobot ist schneller als die Konkurrenz

„Der Envirobot kann einem vorprogrammierten Weg folgen, hat die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen und unabhängig die Verschmutzungsquelle aufzuspüren.“ So beschreibt Ijspeert die Fähigkeiten seiner 1,5 Meter langen Schöpfung. Er könne Daten viel schneller sammeln als es mit Messgeräten möglich ist, die bei Verdacht ins Wasser gelassen oder fest installiert werden.


Biosensoren spielen beim Aufspüren von Verunreinigungen eine wichtige Rolle. Jan Roelof van der Meer von der Universität Lausanne, der mit seinem Team ebenfalls am Projekt beteiligt ist, entwickelte beispielsweise Bakterien, die bei Kontakt zu Quecksilber aufleuchten. Diese Reaktion erkennen Leuchtdioden.

Kleinkrebse in Umweltdiensten

Auch Daphnien, also Kleinkrebse, arbeiten für die Forscher. Sie sind in zwei Kammern des Roboter-Aals eingesperrt. Eine in mit Frischwasser gefüllt, die zweite wird mit Umgebungswasser geflutet. Ist dieses verschmutzt verändern die Daphnien ihre Bewegungen. Durch Vergleich mit den Kleinlebewesen, die in der Frischwasserbox schwimmen, lässt sich auf schadstoffbelastetes Wasser schließen.

via EPFL

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.