Die Lebensmittelversorgung in der Antarktis gestaltet sich im Winter recht schwierig. Aufgrund der Wetterbedingungen werden die Versorgungsflüge vollständig eingestellt, sodass die vor Ort verbliebenen Forscher von ihren Vorräten leben müssen. In der deutschen Polarforschungsstation „Neumayer III“ gibt es in diesem Jahr allerdings eine Besonderheit: In einem speziellen Gewächshaus wird frisches Gemüse angebaut. Die erste Ernte konnte auch bereits eingefahren werden und bestand aus 70 Radieschen, 18 Gurken und 3,6 Kilogramm Salat. Die Menge reicht natürlich noch nicht aus, um die insgesamt zehn Menschen auf der Station zu versorgen. Zumindest stellte das frische Gemüse aber eine erfreuliche Abwechslung auf der Speisekarte dar. Zukünftig sollen die Ernten zudem noch größer und vielfältiger ausfallen.


Der Salat sieht aus wie frisch geerntet – und soll auch so schmecken. Foto: DLR (Creative Commons 3.0)

Aeroponik soll eine effiziente Nutzung der Ressourcen sicherstellen

Entwickelt wurde das Gewächshaus allerdings nicht vom Alfred-Wegener-Institut, sondern durch Forscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Bremen. Das langfristige Ziel ist nämlich nicht, Polarforscher mit frischem Essen zu versorgen. Vielmehr soll die Basis geschaffen werden für sich selbst versorgende Raumfahrtmissionen. Die Gemeinsamkeiten zwischen Antarktis und Weltraum liegen auf der Hand: Versorgungsflüge sind extrem aufwändig, sodass der Gemüseanbau mit den vorhandenen Ressourcen auskommen muss. Deshalb wachsen die Pflanzen auch nicht in der Erde, sondern in einer Nährstofflösung. Dieses Verfahren wird als Aeroponik bezeichnet und ist deutlich effizienter als der klassische Ansatz. Die Vielfalt wird dadurch aber nicht eingeschränkt: Zukünftig sollen in der Antarktis sogar Erdbeeren angebaut werden.

Für die weitere Entwicklung wird noch Zeit benötigt

Bei einer zukünftigen Weltraummission könnte das Gewächshaus aber nicht nur die Nahrungsversorgung sicherstellen, sondern auch noch weitere wichtige Aufgaben übernehmen. So kann etwa Sauerstoff produziert und Wasser gereinigt werden. Bisher handelt es sich allerdings noch um reine Pläne: Das in der Antarktis getestete Gewächshaus ist noch nicht bereit für den Einsatz im Weltraum. Vielmehr sollen dort lediglich bestimmte Ansätze und Technologien erprobt werden. Außerdem wollen die Forscher am Ende des einjährigen Projekts wissen: Wie viele Ressourcen mussten für welchen Ertrag aufgewendet werden? Bis dann tatsächlich ein weltraumfähiges Habitat entwickelt werden kann, dürfte noch einiges an Zeit vergehen. Die grundlegenden Technologien existieren aber zumindest schon.

Via: DLR


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