Eigentlich handelt es sich um ein europäisches Vorzeigeprojekt: Das Satellitensystem Galileo wird von den Staaten des Kontinents gemeinsam aufgebaut, um die Abhängigkeit vom amerikanischen GPS zu beenden. Doch inzwischen ist das Projekt zu einem Zankapfel zwischen der Europäischen Kommission und der britischen Regierung geworden. Hintergrund: Der immer näher rückende Brexit. Die EU-Vertreter sind der Meinung, dass die Briten durch den Austritt aus der Europäischen Union zukünftig bei Galileo lediglich noch den Status eines Drittlandes innehaben werden. Dies würde einen erheblichen Verlust an Rechten mit sich bringen. So müsste der Zugang britischer Firmen zu dem Satellitensystem vermutlich aus Sicherheitsgründen stark eingeschränkt werden. Doch die britische Regierung will dies nicht akzeptieren.


Bild: ESA

Die weltweite Abdeckung ist in Gefahr

Sie drängt bereits seit längerem darauf, auch weiterhin vollwertiges Mitglied des Satellitenprojekts zu bleiben. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, wurden zudem einige Gedankenspiele publik gemacht, wie Großbritannien das gesamte Projekt verzögern und verteuern könnte. Ein wichtiger Punkt: Die britischen Überseegebiete. Denkbar wäre, dass etwa auf den Falkland-Inseln keine Bodenstation des europäischen Satellitensystems installiert werden dürfen. Dadurch gäbe es dann keine globale Abdeckung mehr. Außerdem sind britische Firmen am Bau verschiedener Elemente von Galileo beteiligt. Hier könnte die Regierung wichtige Lizenzen verweigern und so für zeitliche Verzögerungen sorgen. Davon gab es in der Geschichte des Projekts allerdings schon mehr als genug: Eigentlich war die Inbetriebnahme bereits im Jahr 2008 geplant, letztlich erfolgte der Startschuss dann Ende 2016.

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Zuletzt aktualisiert am 19.07.2018

Galileo besitzt einige Vorteile gegenüber der zivilen GPS-Variante

Sollte die EU dennoch bei ihrer bisherigen Haltung bleiben, behält Großbritannien es sich außerdem vor, ein ähnliches System wie Galileo in Eigenregie zu installieren. Die Kosten dafür wurden bereits kalkuliert. Demnach würde der Aufbau des Systems 3,7 Milliarden Pfund kosten. Anschließend müssten für den Unterhalt jährlich weitere 200 Millionen Euro veranschlagt werden. Noch sind die Verhandlungen über den Brexit aber nicht abgeschlossen, sodass auch eine gütliche Einigung zwischen der EU und Großbritannien noch im Bereich des Möglichen liegt. Rein technisch stellt Galileo für die Unternehmen und Behörden in Europa auf jeden Fall einen Fortschritt dar: Das System ermöglicht eine Standortbestimmung auf dreißig Zentimeter genau – während die zivile Variante des GPS mit einer Genauigkeit von bis zu zehn Metern arbeitet.

Via: Reuters


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