Für Scharfschützen ist es von elementarer Bedeutung, dass sie mit ihrem Zielfernrohr zügig hin und her zoomen können. Sie müssen einerseits möglichst detailliert ihr Zielobjekt erfassen, andererseits aber auch den Überblick über die Gesamtsituation behalten. Umso erstaunlicher, dass die Technik auf diesem Gebiet bisher eher antik anmutet. Zumeist müssen die Schützen noch ihre Hände vom Gewehr nehmen, um manuelle Anpassungen des Zooms vorzunehmen. Solche unnötigen Bewegungen kosten aber nicht nur Zeit, sondern erhöhen auch die Gefahr durch den Feind entdeckt zu werden. Der neu entwickelte „Rapid Adaptive Zoom for AssaultRiffles“ (kurz: RAZAR) kann daher ganz einfach per Knopfdruck bedient werden.
Scharfschützengewehr


Die Krümmung der Linse ist das Geheimnis

Vom System her orientiert sich die Neuentwicklung dabei am menschlichen Auge. Normalerweise wird in technischen Geräten, der Zoom durch den Abstand zwischen zwei Linsen gesteuert. Bei vielen Fotoapparaten sieht man dies recht deutlich, wenn beim heranzoomen die vordere Linse herausgefahren wird. Das menschliche Auge allerdings hat dafür eine elegantere Lösung gefunden, indem die Entfernungsschärfe durch eine Krümmung der Linse erreicht wird. Dies erfordert allerdings den Einsatz von Energie. Beim Menschen übernehmen dies die Augenmuskeln, beim RAZAR-System werden zwei AA-Batterien benötigt. Mit einem Satz Batterien sollen dann allerdings bis zu 10.000 Zoomvorgänge möglich sein. Anders als bei manchen Fotoapparaten soll zudem die Linse auch ohne Batterien nutzbar sein – man kann lediglich nicht mehr zoomen.

Minimale Bewegung des Zeigefingers nötig

Entwickelt wurde das neue Zoomsystem für Spezialkräfte der US-Armee. Die Knöpfe zur Änderung der Sichtweite sind dabei an der Seite des Gewehrlaufes angebracht. Die Soldaten können also in ihrer gewohnten Schussposition verbleiben und müssen beim exakten Anvisieren, lediglich den Zeigefinger minimal bewegen. Auf diese Weise ist es zudem möglich, in Sekundenschnelle rein und wieder raus zu zoomen und sich so einen genauen Überblick zu verschaffen, bevor geschossen wird. Das Entwicklungsteam der „Sandia National Laboratories“ spricht davon, dass dies die erste wesentliche Weiterentwicklung der Sichthilfen bei Militärwaffen seit 100 Jahren sei. Sollte diese sich bewehren, ist davon auszugehen, dass über kurz oder lang auch die deutsche Bundesehr mit entsprechender Technik ausgerüstet ist.


Die zugrunde-liegende Entwicklung muss zudem natürlich nicht auf den militärischen Bereich beschränkt bleiben. So könnten auch Jäger von einem verbesserten Zoom ihrer Gewehre profitieren. Aber auch die Nutzer von Ferngläsern, sei es, um Vögel zu beobachten oder den Ausblick zu genießen, sind eine potentielle Zielgruppe der neu entwickelten Technik. Ebenso die Hersteller von Überwachungskameras und vergleichbarer Technik. Es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass Technik, die für das Militär entwickelt wurde, Einzug in den zivilen Bereich fände.

Quelle: Popsci

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