In Nord- und Ostsee, im Ärmelkanal und in anderen Küstengewässern dürfen Fracht- und Vergnügungsschiffe nicht mit dem üblichen Treibstoff fahren. Schweröl enthält riesige Mengen an Schwefeldioxid und ist unschlagbar billig. Manche Kapitäne umgehen das Verbot, weil der zugelassene Schiffsdiesel weitaus teurer ist. Bisher war das Risiko, erwischt zu werden, gering. Doch jetzt steigt es, zumindest für Schiffe, die die Häfen Hamburg, Bremerhaven und Kiel anlaufen. Dort hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Sitz in Hamburg und Rostock Messstationen aufgebaut, die Experten des BSH gemeinsam mit Forschern der Universität Bremen entwickelt haben.


Bild: BSH

Abgasfahnen werden analysiert

Die Stationen analysieren die Abgase vorbeikommender Schiffe. Allerdings muss der Wind die Abgase zu den Stationen pusten. Weht er in eine andere Richtung bleiben die Umweltsünder unbehelligt. In den Stationen werden die Anteile von Schwefeldioxid, Kohlendioxid und Stickstoffmonoxid in der Abluft analysiert. Die prozentualen Anteile geben Aufschluss darüber, welcher Treibstoff gerade verbrannt wird. Dazu haben die Entwickler einen speziellen Algorithmus entwickelt.

Mit Hilfe der Windrichtung, die an den Stationen ebenso gemessen wird wie die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Schiffe, und der alle 30 Sekunden gesendeten Identität und Position aller Schiffe, dem sogenannten AIS Signal (Automatisches Identifikationssystem), lässt sich die jeweilige Abgasfahne eindeutig zuordnen.


Polizei wird automatisch per E-Mail alarmiert

Ist ein Sünder ertappt worden sendet das System automatisch eine E-Mail an die Schifffahrtspolizei, die das verdächtige Schiff stellt. Die Anlage arbeitet rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr vollständig automatisch.

Das BSH will als nächstes eine Station an der Warnow errichten, also der Zufahrt zum Hafen Rostock. Geplant sind auch mobile Anlagen auf Behördenschiffen, die Umweltsünder auch auf hoher See erwischen können. Ähnliche Stationen gibt es auch in Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Schweden und Finnland. Ziel ist es, ein umfassendes europäisches Netz aufzubauen.

Der Schiffsverkehr zählt zu den bedeutendsten Emittenten von Schadstoffen. Direkt betroffen sind vor allem Küstenbewohner und Hafenstädte.

via BSH

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