Die Firma „Munro and Associates“ ist in der US-Automobilbranche eine feste Größe. Von den Experten dort wird vor allem das sogenannte „Reverse Engineering“ betrieben. Salopp ausgedrückt, untersuchen sie also die Qualität von Autos, indem sie diese wieder auseinander bauen. Zu den Kunden gehören unter anderem die drei großen amerikanischen Autobauer General Motors, Ford und Chrysler. Der Elektroautopionier Tesla hingegen vermeidet es bisher, sein neues Model 3 für solche Tests zur Verfügung zu stellen. Der Blog „AutoLine“ konnte nun aber Firmenchef Sandy Munro bei einer ersten Inspektion des neuen Teslas begleiten. Das Urteil fiel vernichtend aus: Die Qualität entspreche in etwa der eines Kias aus den 1990ern. Die folgenden drei Kritikpunkte betonte der Experte besonders:


So sieht der neue Tesla aus. Foto: Elon Musk

1. Schlampige Verarbeitung

So fand der Firmenchef innerhalb der Karosserie deutlich ungleiche Spaltmaße. Einige Abstände waren so groß, dass sie selbst aus einiger Entfernung gesehen werden konnten. Außerdem wackelte das Fensterglas in den Führungen und einige Türen ließen sich mechanisch nur schwer öffnen. An der Fahrerseite wurde zudem einfach ein Stück Gummi an die Dichtungen geklebt. Dies soll wohl der Geräuschreduzierung dienen, ist aber eine eher unkonventionelle Vorgehensweise. All dies sind natürlich nur kleinere Mängel, die zusammengenommen aber auf Probleme in der Produktion hindeuten könnten.


2. Die Sicherheit

Hier kritisierte der Experte vor allem zwei Punkte. Zum einen gestaltet sich die Öffnung der Fronthaube von außen vergleichsweise kompliziert. Im Falle eines Unfalls muss dort aber unter Umständen die Stromzufuhr abgestellt werden – etwa wenn eine Rettungsschere zum Eimsatz kommen soll. Durch die komplizierte Konstruktion können wertvolle Sekunden verloren gehen. Auf der Rückbank gibt es zudem keine mechanischen Türöffner von innen. Im Notfall müssen die Passagier dort das Auto also möglicherweise über die Heckklappe oder die Vordertüren verlassen.

3. Schlecht verbaute Technik

Auch der Blick unter die Motorhaube rief bei dem Experten Missfallen hervor. So sei die Technik unnötig kompliziert verbaut, was Reparaturen erschweren kann. Munro warf den Ingenieuren daher vor, „Elektroniksnobs“ zu sein und sich zu wenig mit dem Design von Autos beschäftigt zu haben. So sei es extrem schwer, den Tesla überhaupt zu zerlegen. Abhalten lassen will sich der Autoexperte davon allerdings nicht. Er plant, den Tesla Model 3 in naher Zukunft komplett auseinander zu nehmen.

Die Diskussionen werden anhalten

In den sozialen Netzwerken ist es nach dieser harschen Kritik schnell zu einer Vielzahl an Diskussionen gekommen. Teilweise wird Sandy Munro Parteilichkeit vorgeworfen, weil seine Firma bisher ausschließlich klassische Autohersteller als Kunden hat. Andere kritisieren, dass der Firmenchef bei vielen Kommentaren überspitzte Formulierungen benutzt oder stark übertreibt. Beides lässt sich nicht komplett von der Hand weisen. Klar ist aber auch: Viele der angesprochenen Mängel sind in dem Video selbst für Laien zu erkennen. Die Diskussionen über die Qualität des Tesla Model 3 werden wohl noch einige Zeit anhalten. Denn ein vollständiges Bild dürfte sich erst ergeben, wenn der Konzern seine Produktionsprobleme in den Griff bekommen hat und eine signifikante Zahl der Vorbestellungen abarbeiten konnte.

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