Das finnische Schulsystem zählt zu den besten der Welt – was das Land auch wiederholt durch Spitzenplätze im Rahmen der Pisa-Studien beweist. Finnische Bildungsexperten wollen diesen Vorsprung nun durch eine größere Reform ausbauen: In Zukunft soll der Unterricht in den Schulen des Landes nicht mehr in traditionelle Schulfächer unterteilt werden. Statt einzelne Stunden in Mathe, Englisch, Biologie oder Physik soll sogenannter Phänomenunterricht zum Einsatz kommen.


Foto:  School, CollegeDegree360, Flickr, CC BY-SA 2.0
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Phänomenunterricht in Kleingruppen statt traditionellen Frontalunterrichts

Marjo Kyllonen, die Chefin der finnischen Bildungsbehörde, erklärte in einem Bericht, dass die meisten Schulen noch nach Konzepten unterrichten, die aus dem 19. Jahrhundert stammen. Stattdessen sei es dringend nötig, Konzepte zu entwickeln, die an die Anforderungen des 21. Jahrhunderts angepasst sind.

Das Zauberwort heißt Phänomenunterricht. Statt den Unterricht in einzelne Fächer zu unterteilen, sollen die Schülerinnen und Schüler Ereignisse und Themen interdisziplinär erarbeiten. Der Ansatz des Phänomenunterrichts wird in Finnland bereits seit Jahren diskutiert.


Statt also den zweiten Weltkrieg rein aus historischer Sicht zu erarbeiten, könnte gleichzeitig Wissen aus den Bereichen Geografie und Psychologie vermittelt werden. Und anstelle von Unterrichtseinheiten in Englisch und Wirtschaft könnte das gleiche Wissen in Rollenspielen aus dem Wirtschaftsleben vermittelt und mit der Vermittlung von Kommunikationsfähigkeiten verbunden werden.

Der Übergang soll fließend erfolgen

Der Reformplan sieht vor, dass der Unterricht zunächst nur in bestimmten Schulen und nur für Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren umstrukturiert wird. Diese könnten dann aus den angebotenen Themenfeldern nach ihren eigenen beruflichen Plänen und Tendenzen wählen.

Statt traditionellem Frontalunterricht würde das Wissen in kleinen Arbeitsgruppen erarbeitet und erlernt werden. Auch die jüngeren Schülerinnen und Schüler sollen mit dem neuen Modell konfrontiert werden, indem der Unterricht teilweise in klassischen Fächern und teilweise als Phänomenunterricht erfolgt.

Das neue Modell erfordert natürlich auch eine stärke interdisziplinäre Zusammenarbeit der Lernpläne. In Helsinki wurden zwei Drittel aller Lehrer bereits entsprechend geschult. Für Lehrer, die im neuen System unterrichten, ist zudem ein Lohnzuschlag vorgesehen. Ergänzt werden kann das Konzept mit modernen Unterrichtsmethoden im Zuge der Digitalisierung in Schulen. Trotz entsprechender Pläne der Bundesregierung liegt Finnland auch diesbezüglich vor dem deutschen Schulsystem.

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