Selten dürfte eine wissenschaftliche Pressekonferenz schon im Vorfeld eine solche Aufregung ausgelöst haben. An sechs Orten auf vier Kontinenten informierten Wissenschaftler zeitgleich über eine Sensation: Erstmals ist es gelungen, ein schwarzes Loch zu fotografieren. Bei allen zuvor bekannten Darstellungen handelte es sich lediglich um künstlerische Illustrationen. Kein Wunder also, dass die Räume jeweils bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Fünf Dinge, die ihr über das Thema wissen solltet:


1. Was ist eigentlich ein schwarzes Loch?

Es handelt sich um einen Ort, an dem sich eine extreme Masse auf engstem Raum konzentriert. Dadurch entsteht eine so starke Gravitationswirkung, dass selbst Lichtstrahlen einfach aufgesogen werden. Die schwarzen Löcher sind für das menschliche Auge also unsichtbar. Es wird zudem angenommen, dass einmal verschluckte Materie nicht wieder hinausgelangen kann. Alles, was den sogenannten Ereignishorizont eines schwarzen Lochs überschreitet, ist demnach für immer dort. Selbst die Zeit bleibt dann stehen.

Bild: Event Horizon Telescope Collaboration

2. Wie haben die Forscher das schwarze Loch fotografiert?

Mithilfe eines Tricks. Denn aus Platzgründen war es auf der Erde nicht möglich, ein Teleskop zu bauen, das groß genug gewesen wäre, um das gewünschte Foto zu schießen. Deswegen kombinierten die Wissenschaftler verschiedene bereits existierende Teleskope und synchronisierten diese mithilfe von extrem genauen Atomuhren. Virtuell entstand so theoretisch eine einzige Antenne mit einem Durchmesser von 8.000 Kilometern. Die Leistungsfähigkeit der Konstruktion ist enorm: Besäße das menschliche Auge eine solch starke Sehkraft, könnte man eine Zeitung über den Atlantik hinweg lesen.


3. Was ist auf dem Bild zu sehen?

Das fotografierte schwarze Loch befindet ich in der Mitte der Galaxie Messier 87 und ist 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Auch dieses schwarze Loch ist aber natürlich unsichtbar. Zu sehen ist daher vor allem ein roter Ring, der die fragliche Stelle umgibt. Hierbei handelt es sich um Gas- und Staubmassen, die durch die enorme Gravitationskraft angezogen werden. Bevor die Materie für immer verschwindet, sammelt sie sich in der sogenannten Akkretionsscheibe und heizt sich durch Reibung auf. Dadurch wiederum wird Strahlung ausgesandt, die beobachtet werden kann. Da es sich nicht um sichtbares Licht handelt, wurde diese Strahlung auf dem präsentierten Foto rot dargestellt.

4. Warum sind schwarze Löcher so bedeutend?

Zum einen faszinieren sie Menschen schon seit ihre Existenz bekannt wurde. Hinzu kommt: In vielen Galaxien existiert ein schwarzes Loch – so auch in unserer Milchstraße. Sagittarius A* konnte bisher zwar noch nicht fotografiert werden, ist aber nur 26.500 Lichtjahre von unserer Erde entfernt. Die Orte, an denen Materie und Licht einfach verschwinden, spielen also eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Funktionsweise des Universums zu verstehen. Außerdem lassen sich so verschiedene theoretische Konzepte überprüfen. Das nun präsentierte Foto beispielsweise könnte helfen, einige von Albert Einstein getroffene Annahmen im Bereich der Allgemeinen Relativitätstheorie zu belegen.

5. Gibt es dafür einen Nobelpreis?

Vermutlich eher nicht. Der Grund ist recht simpel: Die Forscher haben eine bereits existierende Technologie genutzt, um bereits vorhandene Theorien zu bestätigen. Es handelte sich also nicht um eine bahnbrechende neue Entdeckung. Zumal für die Entwicklung von virtuellen Teleskopen bereits ein Nobelpreis vergeben wurde – 1974 an die Briten Martin Ryle und Antony Hewish. Die Jury ist aber natürlich frei in ihrer Entscheidung.

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