In Südafrika haben Forscher eine Höhle entdeckt, in der sie Tausende Knochen fanden, die wohl zu einer bislang völlig unbekannten Menschenart gehören. Die Wissenschaftler tauften die Art, die offenbar einen recht grazilen Körperbau hatte, auf den Namen “Homo naledi”.


Foto:  Homo floresiensis adult female - model of head - Smithsonian Museum of Natural History - 2012-05-17, Tim Evanson, CC BY-SA 2.0
Foto: Homo floresiensis adult female – model of head – Smithsonian Museum of Natural History – 2012-05-17, Tim Evanson, CC BY-SA 2.0

Sensationeller Fund in Südafrika

Die Überreste lassen sich mindestens 15 Individuen zuordnen. Wie alt der Fund ist, konnte bisher noch nicht geklärt werden, gab das internationale Team von Wissenschaftlern in dem Fachblatt “eLife” bekannt. Zudem gehen sie davon aus, dass der inzwischen ausgestorbene Homo naledi seine Toten auf eine Art und Weise beerdigte, die der unseren nicht unähnlich ist.

Die Höhle, in der das Team von der südafrikanischen University of the Witwatersrand 2013 den Fund machten, hört auf den Namen “Rising Star” – zu deutsch aufsteigender Stern. Daher auch der Name der gefundenen Art. “Nadel” bedeutet in der südafrikanischen Sprache Sesotho “Stern”. Zu dem Team gehörten auch zwei Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig.


Bisher gelang es den Forschern, 1550 Knochen zu bergen, so das Max-Planck-Institut. Wie viele Knochen noch in der Höhle verborgen sind sei unbekannt. Aufgrund der Topologie des Fundorts gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Toten bewusst an dem Ort abgelegt wurden. Bisher galten Beerdigungen als Ritual des modernen Menschen.

Homo naledis: Gut zu Fuß und geschickt im Umgang mit Werkzeugen

Der Teamleiter Lee Berger zeigte sich vor allem von der Tatsache begeistert, dass jedes Knochenteil mehrfach in der Höhle gefunden wurde. Dies führe dazu, dass der Homo naledis der Wissenschaft schon jetzt besser bekannt als alle anderen Vertreter der menschlichen Abstammungslinie. In der Höhle konnten sowohl Kinder als auch Erwachsene und alte Homo naledis identifiziert werden, denen die Forscher allesamt einen sehr grazilen Körperbau sowie ein nur orangengroßes Gehirn bescheinigten. Der Aufbau der Füße sei kaum von dem des modernen Menschen zu unterscheiden. In Kombination mit seinen verhältnismäßig langen Beinen konnte der Homo naledis so lange Strecken zu Fuß zurücklegen. Die Handknochen deuten darauf hin, dass der Verwandte des modernen Menschen sowohl Werkzeuge benutzen als auch klettern konnte.

Kritik aus Zürich

“Das Material ist fantastisch”, findet auch der Christoph Zollikofer von der Universität Zürich. Die zwei aus dem Fund abgeleiteten Hauptthesen sieht er jedoch eher kritisch. Seiner Ansicht nach ist der Fund eher der Art Homo erectus zuzuordnen, die in Georgien gefunden wurde. Er begründet dies mit starker Ähnlichkeit bei den Beinen und Füßen.

Dass es sich bei dem Fundort um eine Beerdigungsstätte handelt bezweifelt Zollikofer ebenfalls. “Seit deren Tod ist extrem viel Zeit vergangen, auch relativ unwahrscheinlich Wirkendes kann in so langer Zeit passieren”, so der Anthropologe. Er warnt ausdrücklich davor, vorschnell zu Fehlschlüssen zu kommen.

via dpa

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2 Kommentare

  1. Mahee Ferlini

    11. September 2015 at 07:55

    Merkwürdig! Ich bewundere mich täglich, dass wir in unsere Zeit noch immer mehr von Menschheitsgeschichte entdecken.

  2. Tobi

    16. September 2015 at 09:41

    Der Fund wurde bereits 2013 gemacht und man hört erst 2 Jahre später davon.
    In dieser Zeit war keine Radiokarbon-Datierung möglich.

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