Ganze Heerscharen von Politikern, Managern und Gründern machen sich jedes Jahr auf in den Norden Kaliforniens. Dort wollen sie verstehen lernen, wie das legendäre Silicon Valley funktioniert. Diese Anziehungskraft ist durchaus verständlich: In kaum einem anderen Teil der Erde lässt sich eine ähnliche Mischung aus Investoren, Forschung und innovativen Unternehmen finden – die gemeinsam für eine schier unglaubliche Wertschöpfung sorgen. Viele Experimente in aller Welt haben zudem bereits gezeigt: Einfach kopieren lässt sich das Silicon Valley nicht. Es ist daher durchaus sinnvoll, sich einmal genauer anzuschauen, wie das dortige Ökosystem eigentlich entstanden ist. Denn am Anfang stand keineswegs die futuristische Unternehmenszentrale von Apple, sondern eine Aneinanderreihung von Pfirsischplantagen.


Foto: Coolcaesar [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

An der Stanford Universität entstand ein Gründerpark für Absolventen

Heute ist dies kaum noch vorstellbar, doch der Norden Kalifornien war sehr lange von der Agrarwirtschaft geprägt. Die inzwischen legendäre Stanford University existierte zwar bereits, konnte aber keineswegs die klügsten Köpfe des Landes anziehen. Dies gelang ihr nicht einmal im eigenen Bundesstaat. In Kalifornien bevorzugten Elite-Studenten eher die Universitäten UC Berkeley und Caltech. Aber auch viele Stanford-Absolventen hielt es nicht lange in der Region: Die meisten zogen nach dem Studium schnell an die Ostküste des Landes, wo damals das wirtschaftliche Zentrum lag. Weil er dringend Geld benötigte kam der Dekan Fred Terman schließlich auf die rettende Idee: Er verpachtete Land der Universität an ehemalige Studenten, die ein Unternehmen gründen wollten. Wenn man so will entstand dort einer der ersten Gründerparks weltweit.

Die relative Nähe zu Japan sorgte für militärische Forschung

Den ersten großen Erfolg feierte dieses Konzept im Jahr 1937 als William Hewlett und David Packard damit begannen, Audio-Oszillatoren zu produzieren. Diese wurden wenig später vom Disney-Konzern entdeckt und in vielen Filmen verwendet. Diese Geschäftsbeziehung legte den Grundstein für den Aufstieg von HewlettPackard zu einem Weltkonzern. Parallel zu diesen Firmengründungen auf dem Gelände der Stanford-Universität gab es zudem noch eine zweite innovative Branche in der Region: Die militärische Forschung. Denn falls Japan tatsächlich das amerikanische Festland angegriffen hätte, wäre dies wohl im Norden Kaliforniens geschehen. Schon früh begann die Regierung daher damit, dort Militär und dazugehörige Forschungseinrichtungen anzusiedeln. Unter anderem autonome Autos, künstliche neuronale Netze und das Internet wurden dort erdacht.


Die Halbleiterindustrie stand Pate für die Namensgebung

Bis hierhin handelt es sich schon um eine Erfolgsgeschichte, die Region ist aber noch weit davon entfernt, weltweit einmalig zu sein. Diese weitere Entwicklung ist hingegen untrennbar mit dem Namen Bill Shockley verbunden. Der Wissenschaftler hatte für die Erfindung des Transistors gemeinsam mit zwei Kollegen den Nobelpreis erhalten, sich dann aber an der Ostküste mit den meisten Forschern zerstritten. Er zog daher an die Westküste, suchte sich dort ein Team von jungen und talentierten Uni-Absolventen und gründete in Mountain View sein eigenes Unternehmen „Shockley Semiconductor Laboratory“. Die Standortwahl fiel dabei auf den Norden Kaliforniens, weil dort auch seine kranke Mutter lebte. Damit war zum einen der Grundstein gelegt für die Entwicklung der Halbleiter-Industrie in der Region. Zum anderen war auch ein Name für das Tal gefunden, denn Silizium spielte bei der Herstellung der Chips eine wichtige Rolle.

Steve Jobs und Steve Wozniak profitierten von dem vorhandenen Ökosystem

Entscheidend für die weitere Entwicklung war nun, dass das Team rund um Shockley schon bald wieder auseinander brach. Seine jungen Mitstreiter gaben aber nicht auf, sondern traten in Verhandlungen mit Bankern von der Ostküste und gründeten nach und nach eigene Unternehmen – darunter die Firma Fairchild Semiconductor, die für einige Jahre den Weltmarkt dominierte und in dieser Zeit das Silicon Valley prägte. Später verlor die Firma an Bedeutung, ihre Gründer aber widmeten sich neuen Projekten. Einige gründeten Intel, während andere Finanzunternehmen ins Leben riefen, um in junge Startups zu investieren. Als Steve Jobs und Steve Wozniak mit Apple auf den Plan traten und die Welt der Heimcomputer revolutionierten, war dies also keineswegs der Beginn des Silicon Valleys. Vielmehr existierte das Ökosystem längst – und trug seinen Teil dazu bei, dass aus den jungen Computernerds später steinreiche Milliardäre wurden.

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