Frankenstein lässt grüßen: Forscher an der Tufts University in Massachusetts wollten ausprobieren, ob Sinnesorgane auch an für sie nicht üblichen Körperstellen ihre Funktion aufnehmen können – und schufen Kaulquappen mit Augen am Schwanz. Das Erstaunliche: Eine relativ große Anzahl der Tiere entwickelte tatsächlich ein Sehvermögen.


Blinde Kaulquappen werden wieder sehend

Können Augäpfel sich auch an anderer Stelle mit dem Gehirn vernetzen?

Augentransplantationen, um blinde Menschen sehend zu machen, lassen sich trotz aller Bemühungen heute noch nicht realisieren. Zwei gekappte Sehnervenenden kann man nicht so einfach miteinander verbinden, dieser Nerv ist einfach zu empfindlich gegen Beschädigungen. Doch wäre es möglich, eine andere Art der Verbindung zum Gehirn herzustellen, sodass tatsächlich optische Reize wahrgenommen werden? Diese Fragestellung trieb die Wissenschaftler um, also entnahmen sie Froschembryonen die Augen, um sie an den Schwanz zu verpflanzen.

Fast ein Drittel der Tiere war in der Lage, Farben zu unterscheiden

Die Überraschung: Bei einigen Kaulquappen wuchsen die Sehnerven in den Körper hinein, wo sie sich mit dem Rückenmark verbanden. 11 % dieser Tiere konnten anschließend nachweislich rotes von blauem Licht unterscheiden, und mit ein bisschen Nachhilfe wuchs dieser Prozentsatz sogar noch an: Nach Zugabe des Neurotransmitters Serotonin waren fast ein Drittel der eigentlich blinden Tiere in der Lage, Farben zu unterscheiden. Kaulquappen mit Augen am richtigen Platz reagierten übrigens auch nur in 67 % der Fälle auf unterschiedlich farbige Lichtverhältnisse, obwohl im rot beleuchteten Bereich unangenehme Elektroschocks drohten. Auch Tiere ganz ohne Augen wurden als Vergleichsobjekte herangezogen, sie zeigten im Test wie erwartet keinerlei Sensibilität gegenüber Farbunterschieden.


Müssen die Augen unbedingt im Gesicht liegen?

Wie gelingt es dem Gehirn, diese Seheindrücke zu identifizieren?

Augen ohne die übliche Direktverbindung zum Gehirn können also tatsächlich optische Reize übermitteln, die auch als solche erkannt werden. Stolze 57 % der mit Serotonin behandelten Kaulquappen, die ihre Augen am Schwanz trugen, nahmen Bewegungen visuell wahr, im Vergleich dazu reagierten etwa 80 % der unbehandelten Tiere auf dieselben Reize. Nun möchten die Wissenschaftler natürlich gerne herausfinden, wie es dem Gehirn gelingt, Seheindrücke von anderen elektrischen Nervenimpulsen zu unterscheiden.

Spätere Spielereien sind nicht ausgeschlossen

Etwas gruselig wird es bei den weitergehenden Überlegungen: Wird es in Zukunft möglich, sich Augen an den Rücken verpflanzen zu lassen, um auch hinten sehen zu können? Oder mehr als zwei Ohren zu besitzen? In erster Linie sollen die Ergebnisse dieser Studie Menschen zugutekommen, die eine Organspende benötigen, doch spätere Spielereien der einen oder anderen Art sind dadurch nicht ausgeschlossen.

Quelle: popsci.com

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

1 Kommentar

  1. Christoph

    2. April 2017 at 19:41

    Ähm, hätte gerne 2 funktionierende augen im Gesicht. Geht das? Wahrscheinlich funktioniert das erst, wenn ich schon längst zu Staub zerfallen bin. Bin 2014 wegen Glaukom erblindet. 🙁

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.