Das Thema Lebensmittelverschwendung wird in Deutschland immer wieder kontrovers diskutiert. So entsorgen die meisten Supermärkte alle Waren, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht wurde. Aus der Sicht der Marktbetreiber ist dies verständlich. Es bedeutet aber auch, dass viele eigentlich noch brauchbare Lebensmittel im Müll landen. Das Berliner Startup SirPlus möchte dies ändern und hat bereits zwei Supermärkte eröffnet, in denen Essen verkauft wird, dass ansonsten vernichtet worden wäre. Dies können Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum sein – die vor dem Verkauf einzeln von einer Lebensmitteltechnikerin begutachtet werden. Oftmals sind es aber auch schlicht Fehllieferungen oder Waren, die aus optischen Gründen aussortiert worden. Wichtig aber: Es handelt sich ausschließlich um Lebensmittel, die die Tafeln nicht angenommen haben.


Foto: Maja Seidel / SirPlus

Fünfzig Mitarbeiter kümmern sich um zwei Märkte und den Online-Handel

Es soll also eine Konkurrenzsituation zwischen der Lebensmittelrettung und der Versorgung von Bedürftigen vermieden werden. Zwanzig Prozent der Einnahmen von SirPlus werden daher auch an gemeinnützige Organisationen gespendet – unter anderem an die Berliner Tafel. Anfangs lief das Geschäft des Lebensmittelretter-Startups noch eher unorganisiert ab: Geschäftsführer Raphael Fellmer und seine Freunde zogen los und durchsuchten die Mülltonnen von Supermärkten. Inzwischen ist daraus ein professioneller Betrieb mit fünfzig Mitarbeitern und rund zweihundert regelmäßigen Lieferanten geworden. So arbeitet etwa der Metro-Konzern mit SirPlus zusammen, um einen Teil der nicht mehr selbst vermarkteten Lebensmittel doch noch an den Kunden zu bringen. Das Startkapital für den Aufbau professioneller Strukturen wurde per Crowdfunding im Internet eingesammelt. Dort kamen knapp 100.000 Euro durch mehr als 1.500 Unterstützer zusammen.

Jährlich werden 18 Millionen Tonnen guter Lebensmittel verschwendet

Ein Immobilienbesitzer stellte zudem eine Ladenfläche mietfrei zur Verfügung, in der dann der erste Supermarkt für übriggebliebene Lebensmittel eröffnete. Mittlerweile hat eine sechsstellige Zahl an Kunden das Angebot genutzt und so über 500 Tonnen an noch brauchbarer Nahrung gerettet. Nun wurde in Berlin ein zweiter Markt eröffnet – langfristig sollen es in ganz Deutschland mindestens 35 werden. Wer nicht in der Hauptstadt wohnt, das Konzept aber trotzdem überzeugend findet, kann zudem auch online bestellen. Dort gibt es verschiedene Boxen zur Auswahl – etwa mit Bio-Produkten oder speziell für die Versorgung von Büros. Dieser Teil des Geschäfts soll zudem zukünftig noch weiter ausgebaut werden, weil das Geschäft so am einfachsten schnell wachsen kann. Angst um den Warennachschub müssen die Macher von SirPlus erst einmal nicht haben: Jährlich werden alleine in Deutschland 18 Millionen Tonnen noch essbare Lebensmittel weggeworfen.


Via: SirPlus

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