Tamil Selvan Natarajan ließ sich von der Seegurke inspirieren. Sie ist im Normalzustand weich. Sobald jemand sie berührt versteift sie sich. Natarajan ist Doktorand an der Technischen Universität Dresden. Man könnte meinen er sei Zoologe. Ist aber falsch. Er schreibt seine Doktorarbeit an der Maschinenbau-Fakultät. Sein Thema ist der Autoreifen. Mal soll er weich, mal, etwa als Schutz vor Aquaplaning, hart sein. In Natarajans Reifengummi sind Füllstoffe eingearbeitet, die genau diesen Effekt auslösen. Wärme macht den Reifen weich, sodass er sich an die Fahrbahn schmiegt. Bei Kälte wird er hart. Der Füllstoff heißt Kalziumsulfat, den der Doktorand so modifizierte, dass er Wasser aufnehmen kann. Dann wird er zehnmal so steif.


Nanopartikel melden den Zustand der Straße

Natarajan ist einer von drei Doktoranden, die dem Reifen eine gewisse Klugheit verschaffen. Eshwaran Subramani Bhagavatheswaran hat den Gummi mit winzigen Mengen an hochleitfähigen Kohlenstoffnanopartikeln versehen. Die speziellen Belastungen beim Bremsen, Dahinrollen oder Beschleunigen verändern des Stromfluss durch den Reifen. Aus diesen Signalen schließt der Bordcomputer auf den Zustand der Straße, etwa auf Eisglätte oder Schneematsch. Unverzüglich verändert der Rechner dann die Konfiguration des Fahrwerks mit dem Ziel, die Bodenhaftung zu optimieren.


Bisherige Versuche, Sensoren in Reifen einzubauen, scheiterten. Die zusätzlichen Komponenten aus Nicht-Gummimaterialien führten zu Fehlstellen, die die Luft entweichen ließen.

Autonomes Fahren wird vorangebracht

Dritter im Bunde der Forscher, deren Ziel der smarte Autoreifen ist, ist Aladdin Sallat. Er hat das Gumminetz, das die Basis des Reifens bildet, chemisch so verändert, dass es sich selbst repariert, wenn es beschädigt wird, etwa durch einen Nagel, der sich hineinbohrt. Dazu war es nötig, auch die Füllstoffe zu modifizieren.

„Intelligente Reifen können Unfälle verhindern und das autonome Fahren entscheidend voranbringen. Unser Ziel ist es, Forschungsergebnisse zu produzieren, die mit herkömmlichen Misch- und Verarbeitungsmethoden auskommen, so dass intelligente Reifengummis nicht nur im Labor, sondern auch mit bestehender industrieller Technik hergestellt werden können“, sagt Professor Gert Heinrich vom Institut für Polymerwerkstoffe der TU Dresden.

via TU Dresden

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