Der Mobile World Congress in Barcelona zeigt jährlich die neusten Smartphone Generationen und fungiert als Messe für Technik-Trends im aktuellen Jahr. Smartphones der Premiumhersteller haben schon längst das Preisniveau guter Notebooks erreicht. Apples iPhone X kostet über 1000 Euro. Die neuen Smartphones sind aus einem Guss, sehen edel aus und verfügen über großzügige Glasdisplays. Auch die Rückseite ist zunehmend gläsern. Die Folge liegt auf der Hand: Spider-App-Gefahr! Die teuren Geräte sind empfindlicher für Stürze und es kommt wesentlich schneller zu Schäden. Aktuellen Tests zufolge, sind vor allem die teureren Smartphone Modelle von Glasschäden betroffen. Stürzt das Samsung-Spitzenmodell auf harten Steinboden, dann sorgt das unweigerlich zu Tränen, denn der Griff ins Portemonnaie wird dann tief und schmerzhaft. Schnell stehen die frischen Smartphone Besitzer vor der Frage, ob sich eine Reparatur überhaupt noch lohnt? Denn nicht nur die Smartphones selbst, sondern auch die Reparaturen werden immer teurer.


iPhone 6 Display
Zersprungenes Display beim iPhone 6

Reparaturkosten variieren nach Hersteller

Im sogenannten Trommeltest hat die Stiftung-Warentest die neuen Smartphone Generationen an die Belastungsgrenze getrieben. Dafür musste kein sonderlich großer Aufwand betrieben werden. Bei der Simulation von Stürzen aus bereits geringen Höhen auf harten Boden, konnten schon Farbveränderungen an den Displays festgestellt werden. Kommentierungen zu den Tests fielen auf Nachfrage bei den Herstellern recht bedürftig aus. Apple antwortete erst gar nicht und Samsung verwies darauf, dass die Spitzenmodelle den eigenen Tests standhielten. Wenn alles teurer wird, stellt sich die Frage, ab wann sich eine Reparatur des Smartphone-Displays denn noch lohnt? Angaben eines Reparaturdienstleisters zufolge liegt die Kostenprognose für den Tausch des Samsung Galaxy S9 und S9+ Displays nicht wesentlich über dem Preis, der schon für die Vorgängerversionen veranschlagt wurde. Im Schnitt werden wohl auch in Zukunft 300 Euro anfallen. Das ergab eine Analyse von über 500 Handywerkstätten. Apple verlangt für den Tausch eines iPhone X Displays 311 Euro. Wer noch ein iPhone 4s besitzt, der ist mit günstigen 25 Euro dabei. Hier wird allerdings kein Originaldisplay eingesetzt. Alle weiteren Reparaturen kosten direkt bei Apple noch mehr. Hier fallen pauschal bis zu 610 Euro an, egal was repariert wird. Bei den anderen Herstellern, etwa Huawei, liegen die Kosten für Reparaturen im niedrigeren Preissegment. Im Vergleich zu älteren Modellen ist allerdings auch hier ein Anstieg der Preiskurve sichtbar.

Selber reparieren ist kaum noch möglich

Obwohl Dienstleister wie iFixit  bemüht sind Verbrauchern Spezialwerkzeug und detaillierte Anleitungen in die Hand zu geben, ist es aufgrund verklebter Akkus und leicht abreißbarer Kabelverbindungen, kaum noch möglich selbst einen Display-Tausch durchzuführen. Apple verkauft keine Originalteile und Samsung gibt diese nur mit einem gehörigen Preisaufschlag heraus. Aufgrund der Irreparabilität kommt es zunehmend schneller dazu, den Gerätetausch zu veranlassen oder gar zu einem neuen Smartphone zu greifen. Denn je nach Arbeitszeitaufwand, der aufgrund der immer schwieriger zu öffnenden Geräte steigt, werden die Reparaturen utopisch teuer. Das von den Reparaturdienstleistern als unwirtschaftlich eingestufte Reparaturkriterium, wollen die Smartphone Hersteller so nicht unterstreichen. In einem Statement verweist ein Samsung Sprecher darauf, dass das Reparaturaufkommen seit der Verklebung der Geräte rückläufig sei. So können Wasser- und Staubschäden durch die neue Methode deutlich reduziert werden. Das mag stimmen, dennoch verschleißt auch der Akku und muss eines Tages gewechselt werden.


Eines zeichnete sich in Barcelona ebenfalls ab. Es gibt tatsächlich noch Hersteller von Smartphones, deren Akkus selbst getauscht werden können. Allerdings siedeln diese sich eher im mittelmäßigen Segment an. Wer jedoch abgeschwächtere Komponenten in Kauf nimmt, der kann für weniger Geld auch heute noch ein Smartphone kaufen, das selbst repariert werden kann.

Die Gefahr des Datenverlusts

Kompakte Smartphones mit dünnem Gehäuse und edlen gläsernen Seiten, bergen bei einem Schaden auch noch eine weitere Gefahr: Da sich die Öffnung der Spitzenmodelle auch für Reparaturexperten zunehmend zu einem Russisch-Roulette entwickelt, droht der totale Datenverlust. Es ist daher empfehlenswert vor dem Reparaturauftrag noch eine Datensicherung am PC vorzunehmen. Es kann zudem auch nicht schaden, die Telefonkontakte auf der SIM, beziehungsweise ebenfalls auf dem PC zu speichern. Es lohnt sich dann auch das Studium der Garantiebedingungen der Hersteller. Aufpassen! Oftmals geben diese vor, welche Reparaturdienstleister das Gerät überhaupt reparieren dürfen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat hierzu passend eine Checkliste für die Vorgehensweise der Reklamationen publiziert.

Fazit

Bevor ein Neukauf angestrebt wird, ist zunächst immer das Einholen eines Kostenvoranschlags bei den Reparaturwerkstätten zu empfehlen. Oftmals ist es dann doch noch „günstiger“ das iPhone oder das Samsung Smartphone reparieren zu lassen, als ein neues Smartphone zu kaufen. Bei älteren Modellen lohnt sich dann schon eher der Blick auf Preisvergleichsseiten mit anschließender Neuanschaffung. Im Kern sind die zunehmenden Reparaturkosten jedoch ein echtes Manko, zumal die Hersteller wie Apple und Co sich mit bruch- und kratzsicheren Glas brüsten. Eine Schutzhülle ist also nach wie vor ein oftmals gutes Investment, auch wenn hier Einbußen bei der Optik und Haptik in Kauf genommen werden müssen. Was die Reparatur eines iPhone 6s Displays anbelangt, zeigten uns eigene Erfahrungen mit mehreren Handywerkstätten, wie unterschiedlich das Ergebnis doch ausfallen kann. Zwischendurch kam sogar schon der Gedanke auf, dass es reines Glücksspiel ist, welche Display-Einheit wann gekauft wurde, um keine Unterschiede zum alten Originaldisplay feststellen zu können. Bei einem Reparaturversuch konnten im Anschluss auf dem ersten Blick schon deutliche Farbunterschiede vernommen werden. Die Begründung der Dienstleister lautete fast immer wie folgt:“Apple gibt leider keine Originalteile raus. Wir sind auf Komponenten von Drittherstellern angewiesen.“ Interessanterweise stammen diese oftmals dann von Samsung.

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