Akkus austauschen ist bei manchen Smartphones und anderen elektronischen Geräten gar nicht oder nur mit großen Schwierigkeiten möglich, weil die Stromspeicher eingeklebt sind. Künftig könnte es einfacher gehen. Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben jetzt einen Hochleistungs-Klebstoff vorgestellt, der sich bei Erwärmung selbst zerstört. Die Temperatur bleibt dabei unter der, bei der empfindliche elektronische Geräte Schaden nehmen. Heute genutzte Kleber lösen sich erst bei weit höheren Temperaturen auf.


Bild: Amadeus Bramsiepe, KIT

Kleben statt Schrauben ist „in“

Nicht nur Akkus werden eingeklebt, auch andere Baugruppen. Und das nicht nur in der Kommunikationstechnik. Alle Hersteller lieben dieses einfach Verfahren, das alternativ etwa zum Schrauben und Nieten eingesetzt wird. Bei Reparaturen und dem Austausch von Komponenten gegen weiterentwickelte gibt es dann Schwierigkeiten. Auch das Recycling bereitet dann Probleme, weil die Bauteile zuvor sortenrein getrennt werden müssen.

Farbänderung zeigt Auflösung des Klebers an

„Die Bauteile vieler Produkte aus unserem alltäglichen Leben, zum Beispiel Handys oder Tablets, werden in der Regel an bestimmten Stellen verklebt“, erklärt Professor Christopher Barner-Kowollik, Leiter der Arbeitsgruppe Makromolekulare Architekturen am Institut für Technische Chemie und Polychemie (ICTP) des KIT. Der neue thermolabile Klebstoff kann dieses Problem lösen. Er ist bei Raumtemperatur stabil, lässt sich aber auf den Punkt genau, schnell und schon bei vergleichsweise geringen Temperaturen wieder abbauen. Ist der Prozess beendet, verfärbt er sich. Dann können die zuvor verklebten Bauteile ganz leicht entfernt werden.


Wärme wirkt auf Sollbruchstellen

Dass gelingt mit einem Trick. Die Forscher bauten in das Netzwerk aus langkettigen Polymermolekülen, aus dem ein typischer Klebstoff besteht, Sollbruchstellen ein. Bei erhöhter Temperatur lösen sie sich und der Klebstoff zerfällt. Die Temperatur, bei der sich die Sollbruchstellen lösen, kann exakt eingestellt werden, sodass sie verschiedenen Anwendungen angepasst werden kann. Bei einer verklebten Autoscheibe etwa muss die Temperatur, bei der der Kleber aktiv bleibt, verhältnismäßig hoch sein, damit sie an einem Hochsommertag nicht herausfällt.

Für den cleveren Klebstoff, den die Experten ursprünglich für die Dentaltechnik entwickelt haben, um verklebte Kronen oder Klammern schonend wieder auszubauen, haben sich mittlerweile vielfältige Anwendungsfelder geöffnet. Neben dem Elektronikbereich sind Einsätze in der Produktion denkbar.

via KIT

Teile den Artikel oder unterstütze uns mit einer Spende.
PayPal SpendeAmazon Spendenshopping

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.