In kaum einem anderen Land sind digitale Zahlungen so verbreitet wie in Schweden. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, das in dem skandinavischen Land Bargeldzahlungen immer schwieriger werden. Sogar bei kleineren Geschäften wie etwa dem Einkauf beim Bäcker oder dem Buchen eines Parktickets kann oft nur digital gezahlt werden. Scheine und Münzen sind in Schweden nicht sonderlich beliebt und werden zunehmend verdrängt. Das schwedische Parlament möchte nun per Gesetz gegensteuern.


Bargeld
Foto: Michael Kammler

Das Land der digitalen Zahlungen

Während in Deutschland eher die mangelnde Verbreitung bargeldloser Zahlungsmöglichkeiten beklagt wird, sieht es in Schweden genau andersrum aus. Acht von zehn Schweden gaben an, bei ihrem letzten Einkauf eine Bankkarte verwendet zu haben, und im Gegensatz zu Deutschland haben im Norden Europas auch die Bezahlapps privater Banken Erfolg.

Langsam aber nehmen in Schwedens Bevölkerung die Zweifel zu. Insbesondere besteht Unsicherheit bezüglich der Stabilität der Bezahlsysteme. Bereits ein längerer Stromausfall macht die bargeldlose Zahlung unmöglich – ganz zu schweigen von einem Zusammenbruch der digitalen Infrastruktur. Bereits vor einiger Zeit warnte Stefan Ingves, der Präsident der Zentralbank von Schweden, vor entsprechenden Problemen und schlug vor, entsprechende Gesetze zu erlassen.


Und das schwedische Parlament scheint zugehört zu haben. Der zuständige Parlamentsausschuss schlug nun eine Bargeldpflicht für größere Banken vor. Die Idee ist, dass für 99 Prozent der Schweden innerhalb von einem Umkreis von 25 Kilometern eine Möglichkeit vorhanden sein soll, an Bargeld zu kommen – und zwar vorzugsweise ein Geldautomat. Für einen Mitteleuropäer klingt das nach einer Selbstverständlichkeit. In Schweden kann der nächste Automat außerhalb von Großstädten aber locker mehr als 50 Kilometer entfernt sein.

Proteste von den Banken

Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass Banken mit Kundeneinlagen von 70 Milliarden Kronen ( etwa 7 Milliarden Euro) und mehr dazu verpflichtet werden, für Kunden einen Bargeldservice bereitzustellen. Laut einem Bericht des zuständigen Ausschusses wäre das für die Banken mit Kosten von etwa 100 Millionen Kronen (etwa 10 Milliarden Euro) pro Jahr verbunden. Entsprechend wenig begeistert zeigte sich der Schwedische Bankanverband. Allerdings fiel der Protest anders als erwartet aus: Die Tatsache, dass die Verpflichtung nur große Banken treffe, verstoße gegen EU-Recht, so der Verband. Ob das Gesetz es wirklich durch das Parlament schafft, gilt als unklar.

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