Bis heute ist es in der internationalen Schifffahrt oftmals üblich, das ausgemusterte Schiffe einfach nach Südostasien gebracht werden. Dort werden sie dann unter teilweise katastrophalen Bedingungen abgewrackt. Um die Kosten niedrig zu halten, verzichteten viele dieser Recycling-Werften lange Zeit auf so gut wie alle Standards in Sachen Arbeitssicherheit und Umweltschutz. Ein internationales Abkommen soll dies zukünftig aber ändern. In der sogenannten Hongkong-Vereinbarung ist festgehalten, dass Schiffe sicher und umweltgerecht entsorgt werden müssen. Nun ist Deutschland der schon seit dem Jahr 2009 bestehenden Konvention beigetreten. Bisher ist das Abkommen aber noch nicht weltweit verbindlich. Dies liegt schlicht daran, dass noch nicht genug Staaten unterzeichnet haben.


Foto: Buonasera [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Indien und China müssen noch überzeugt werden

Genau genommen ist sogar eine doppelte Hürde zu meistern. Zum einen muss die Zahl der beigetretenen Staaten einen gewissen Grenzwert überschreiten. Zum anderen müssen diese aber auch einen bestimmten Anteil der Gesamttonnage weltweit repräsentieren. Faktisch bedeutet dies, dass eine Teilnahme Indiens und Chinas erreicht werden muss. Schon der Beitritt Deutschlands, das immerhin über die viertgrößte Handelsflotte der Welt verfügt, ist aber ein wichtiges Signal. Auch der Verband Deutscher Reeder begrüßt diesen Schritt und weist auf einen wichtigen Aspekt hin: Viele der Abwrack-Werften in Südostasien haben in den letzten Jahren viel Geld in Arbeitssicherheit und Umweltschutz investiert, um die Standards der Hongkong-Konvention zu erfüllen. Nun sei es wichtig, dass diese Unternehmen dafür auch mit entsprechenden Aufträgen belohnt werden.

Der Einsatz von Schweröl wird ebenfalls bald verboten

Noch aber zögern viele Länder, dem Abkommen beizutreten. Die offiziellen Begründungen dafür variieren. In den meisten Fällen dürfte es sich aber um eine schlichte Kostenfrage handeln. Die Regierungen haben Angst, dass die heimischen Betriebe die steigenden Entsorgungskosten nicht tragen können. Dass es dennoch gelingen kann, weltweite Standards in der Schifffahrt durchzusetzen, zeigt ein anderes Beispiel. So fahren viele Ozeanriesen heute noch mit dem extrem umweltschädlichen Schweröl. Inzwischen ist aber klar: Ab dem Jahr 2020 ist dies nicht mehr erlaubt. Es zeigt sich also, dass mit viel Geduld und Überzeugungsarbeit auch auf internationaler Ebene wichtige Schritte erreicht werden können. Dies macht Hoffnung, dass zeitnah weitere wichtige Länder dem Hongkong-Abkommen beitreten werden.


Via: Wiwo

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