Das staatliche Stromnetz in Nigeria gilt nicht zu Unrecht als ausgesprochen lückenhaft: Rund die Hälfte der momentan 190 Millionen Einwohner besitzt keinen eigenen Stromanschluss und ist daher auf den Betrieb von Dieselgeneratoren angewiesen. Verschärft werden dürften die Probleme des Netzbetreibers in den nächsten Jahren noch durch das prognostizierte Wachstum der Bevölkerungszahl. Schon seit einiger Zeit setzt die Entwicklungshilfe daher auf sogenannte Mini Grids. Dabei handelt es sich um lokale Systeme, die Solartstrom produzieren, speichern und direkt vor Ort verbrauchen. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise abgelegene Ortschaften autark mit Strom versorgen. Die dafür benötigte Technik stammt nicht selten von deutschen Solarfirmen. Koordiniert werden die Projekte zumeist von der staatlichen deutschen „Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)“.


Kalte Sonne
Foto: Cold Sun, Mark Vegas, Flickr, CC BY-SA 2.0

Die Böden rund um die Recyclingbetriebe sind stark belastet

Doch ausgerechnet eine Studie im Auftrag der GIZ warnt nun: Mit den neuen dezentralen Stromnetzen kommt langfristig auch jede Menge Elektroschrott nach Nigeria – wo ein fachgerechtes Recycling nicht gewährleistet ist. Besonders problematisch ist dies, weil in der Regel keine teuren Lithium-Ionen Akkus verwendet werden, sondern Bleibatterien. Deren Entsorgung wird oftmals von lokalen Unternehmen übernommen. Das gefährliche Blei wird dabei lediglich mit Wasser verdünnt und dann in die Umwelt gegeben. Messungen rund um diese Recycling-Betriebe haben daher ergeben, dass die Böden extrem stark belastet sind. Teilweise lagen die Ergebnisse um das 350-fache über dem zulässigen Grenzwert. Dadurch aber könnten die Erfolge der Entwicklungshilfe wieder in Gefahr geraten. Denn zu viel Blei gefährdet die Bevölkerung. So wurde nachgewiesen, dass Blei im menschlichen Körper Gehirn und Nervenzellen angreift.

Die ärmsten Länder der Welt verlieren jährlich enorme Summen

Insbesondere bei Kindern kann es daher zu Entwicklungsverzögerungen bis hin zu einer geistigen Behinderung kommen. Schon im Jahr 2013 kamen US-Forscher zu dem Ergebnis, dass die ärmsten Länder der Welt jährlich rund eine Billiarde Dollar an Wirtschaftsleistung verlieren, weil Kinder und Jugendliche einer zu starken Bleikonzentration ausgesetzt sind. Dieser Effekt dürfte sich auch auf die Situation in Nigeria übertragen lassen. Verantwortlich ist dafür aber natürlich nicht alleine die Solar-Branche. Vielmehr existiert die Problematik auch bei jedem anderen Elektroschrott mit Bleibatterien. Im Fall der Entwicklungshilfe für lokal Mini Grids hat der deutsche Staat aber zumindest eine Möglichkeit, die Thematik direkt anzugehen. Tatsächlich wurde als Reaktion auf die Studie nun beschlossen, dass die GIZ das nigerianische Umweltministerium bei der Entwicklung und Durchsetzung entsprechender Umweltstandards berät.


Via: Wiwo

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