Auch in der Schweiz wurde inzwischen ein vollständiger Atomausstieg beschlossen. Anders als in Deutschland werden aber keine Kraftwerke vorzeitig abgeschaltet, sondern die zulässige Betriebsdauer wird schlicht nicht mehr verlängert. Außerdem werden keine neuen Atommeiler gebaut. Dennoch stellt sich auch in der Schweiz die Frage, wie der Atomstrom ersetzt werden kann. Grundsätzlich bietet die Solarenergie eine günstige Alternative. Sie bringt aber auch zwei große Nachteile mit sich: Es werden relativ große Flächen benötigt und der meiste Strom wird im Sommer erzeugt – während die Nachfrage im Winter am höchsten ist. Ein Team von Wissenschaftlern an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne hat daher nun eine Alternative untersucht: Solarmodule im Hochgebirge oberhalb der winterlichen Schneegrenze.


Das sind die Vorteile von Solarmodulen in den Bergen

Die Berechnungen ergaben, dass die Produktivität der Module dort zunimmt. Dies hat im Wesentlichen drei Gründe:


1. Je höher die Lage, desto weniger Sonnenlicht wird von der Atmosphäre verschluckt.

2. Im Winter befinden sich in Bergregionen deutlich weniger Wolken am Himmel als im Flachland.

3. Das Sonnenlicht wird zudem durch den Schnee reflektiert und so noch einmal auf die Solarzellen geleitet.

Damit vor allem der letzte Effekt besonders effektiv genutzt werden kann, müssen allerdings kleinere Anpassungen vorgenommen werden. So sollen die Module mit einer Neigung von 65 Grad installiert werden. Zum Vergleich: Auf dem flachen Land wird in der Regel ein Niegungswinkel von 37 Grad genutzt. Theoretisch wäre es sogar denkbar, die Module direkt komplett senkrecht zu montieren. Dadurch sinkt die Produktion zwar geringfügig, es kann aber auch kein Schnee auf den Solarzellen liegen bleiben.

Die Menge an benötigter Fläche sinkt signifikant

Letztlich kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass durch den Gang ins Hochgebirge enorme Flächen eingespart werden können. Soll beispielsweise die Hälfte der heute durch Atomkraft gewonnenen Strommenge durch Solarenergie ersetzt werden, würden im Flachland rund 57 Quadratkilometer benötigt – oberhalb der winterlichen Schneegrenze aber nur 47 Quadratkilometer. Außerdem sorgt die Reflektion durch den Schnee dafür, dass die Stromproduktion auch im Winter hoch bleibt und sich so besser an die Nachfrage anpasst. Die Frage, wie sich ein solches Projekt auf die Umwelt und das Ökosystem in den Gebirgsregionen auswirken würde, klammerte die Studie allerdings noch aus. Die Forscher verwiesen lediglich darauf, dass in der Regel an die bereits bestehende Infrastruktur angeknüpft werden kann. Weitere Studien sollen in diesem Punkt aber noch genaueren Aufschluss geben.

Via: Pacific Standard

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