Dass sich unser Universum immer weiter ausdehnt, ist in der Wissenschaft unbestritten. Über die Frage, wie schnell dies geschieht, wird aktuell aber wieder einmal heftig diskutiert. Eigentlich wird dafür das sogenannte Standardmodell der Kosmologie genutzt – das im Wesentlichen noch auf Albert Einstein zurückgeht. Demnach weitet sich das Universum pro Sekunde um rund 67 Kilometer aus. Dieser Wert wird aber gewissermaßen indirekt gemessen. Analysiert wird dafür beispielsweise die sogenannte kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung, die sich auf den Urknall zu Beginn der Geschichte zurückführen lässt. Neueste Messungen des Weltraumteleskops Planck haben bei diesem Verfahren den Wert von 67 Kilometern bestätigt. Einige Physiker haben nun aber eine neue Art der Berechnung ausprobiert und sind zu einem spektakulären Ergebnis gekommen.


Die neuen Daten stammen von einem Nobelpreisträger

Sie nutzten das Weltraumteleskop Hubble, um zu beobachten, wie schnell sich pulsierende Sterne von der Erde entfernen. Daraus wiederum lässt sich dann ableiten, wie schnell sich das Universum ausweitet – so zumindest die Idee der Forscher. Bei ihren Berechnungen kommen sie letztlich auf einen Wert von 74,03 Kilometern. Weil die Fehlermarge bei lediglich zwei Prozent liegt, ist damit klar: Die beiden Werte lassen sich nicht in Einklang bringen. Nun gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Entweder die neue Berechnungsmethode ist fehlerhaft oder das Standardmodell der Kosmologie ist zumindest unvollständig. Viele Blicke richten sich daher auf den Mann hinter den neuen Messungen: Nobelpreisträger Adam Riess von der Johns Hopkins University.


Möglicherweise muss die Physik komplett neue Modelle entwickeln

Seine Arbeit wird von Kollegen beinahe durchgehend gelobt. Er und sein Team haben bei den Messungen und Berechnungen offensichtlich sehr genau und sorgfältig gearbeitet. Auch deshalb wird den neuen Zahlen eine so große Aufmerksamkeit innerhalb der Physik zuteil. Allerdings basieren die Berechnungen teilweise auch auf Annahmen, die nicht zu einhundert Prozent bewiesen werden können. Es ist also durchaus möglich, dass nicht das Standardmodell der Kosmologie falsch ist, sondern eine andere Theorie innerhalb der Physik. Erst weitere Forschungsarbeit wird zeigen, was genau der Grund für die unterschiedlichen Messungen ist. Klar ist aber: Selbst Experten wollen nicht ausschließen, dass wir in Zukunft eine ganz neue Physik benötigen, weil die aktuellen Modelle nicht mehr mit der Realität in Einklang zu bringen sind.

Via: Süddeutsche Zeitung

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1 Kommentar

  1. Björn

    30. April 2019 at 06:34

    Das sich das Universum so schnell ausdehnt bezweifel ich, da ich hörte wir sehen nur einen Teil des Universums.
    Und da wir nicht wissen wo im Universum wir uns befinden, soweit ich weiß, ist es also wenn dann nur die Geschwindigkeit die wir uns im Universum bewegen. Nicht oder?!

    btw. ich kenn die Arbeit/Berechnungen nicht, könnte auch nichts mit anfangen, nur anhand dieses Artikels bleib ich skeptisch.

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